„Kunst und Wirtschaft! – Welch ein Paar! – Kann man beide zusammen nennen?“ Diese Frage stellte Josef Wilden, Präsident bzw. Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Düsseldorf vor bald 100 Jahren. In Annäherung an seine Antwort räumt er zunächst mit gängigen Vorurteilen auf. „So fließen also Kultur, Kunst und Wirtschaft zusammen. Ebensowenig wie der Künstler traumverloren in himmlische Gefilde schaut, ebensowenig starrt der Wirtschafter nur nach gleißendem Golde.“

Für Wilden war die Schnittmenge zwischen den Welten individuelle Sinnhaftigkeit des Handelns durch die Möglichkeit zu gestalten. „Denn der tiefere Sinn der wirtschaftlichen Tätigkeit als ‚Beruf’ quillt wie beim Künstler aus dem Drang, so zu schaffen, wie es die innere Stimme gebietet. Diese ruft und weckt die seelischen Kräfte zum äußeren Ausdruck des Handelns mit dem Verstande, mit der Hand. Arm wäre der Unternehmer, der Arbeiter, der nicht mit der Seele, mit dem Herzen bei seinem Werke wäre! Er müsste am Ende verkümmern, sein Schaffen müsste veröden; nimmer könnte sein Werk den Meister loben. Auch dem Unternehmer kann die Arbeit nur gedeihen, wenn Sie aus dem Beruf quillt; nicht aber, wenn sie einzig und allein nur beherrscht ist von dem Streben nach Gewinn, wenn der Gewinn Selbstzweck ist.“

Josef Wilden: Doppelseite

Was sich, auch dem Duktus der Epoche geschuldet, für heutige Leser blumig liest und pathetisch anfühlt, ist in die heutige Zeit übertragen nicht weniger relevant. Wo bislang Profitabilität meist allein im Vordergrund stand, gewinnen jetzt andere Anforderungen – Kundenerfahrung, Mitarbeiterzufriedenheit, Nachhaltigkeit, Soziale Verantwortung, Vernetzung, Innovationsfähigkeit – an Bedeutung – und zwar nicht nur weil es opportun erscheint, sondern weil ohne deren Beachtung Profitabilität und Langlebigkeit immer schwerer möglich sein werden. Der einseitige, profitsuchende Blick auf die Welt ist Ausdruck eines Mangels an Bedeutung, der über kurz oder lang in die Bedeutungslosigkeit führen wird.

Und auch dies wusste Wilden bereits zu berichten. „Sollte es nicht möglich sein, die wirtschaftliche Tätigkeit als solche mit einem Geiste zu durchdringen, der seinen vollen Gehalt nach die Ebenburt mit jedem noch so gehobenen Schaffen anderer Berufe für sich in Anspruch nehmen kann? Eine Verneinung der Frage hieße allerdings die Ausschaltung der Wirtschaftler und damit letzten Endes aus der von ihnen getragenen Wirtschaft aus jener Sphäre edleren Menschentuns, deren Erreichung das Ziel allen kulturellen Strebens bedeutet.“

Josef Wilden: Text

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Professor Dr. Josef Wilden ist der einzige Hauptgeschäftsführer einer Industrie- und Handelskammer, der später zum Präsidenten ernannt wurde. Von 1922 bis zu seinem erzwungenen Rücktritt 1938 und erneut in den Jahren 1945/46 war Wilden Hauptgeschäftsführer der IHK Düsseldorf. Als Prokurist des August Bagel Verlages wurde er nach der Abberufung von Bülows durch die US-amerikanische Militärregierung 1946 in das Präsidentenamt der IHK Düsseldorf gewählt. 1949 wurde Wilden Vizepräsident, 1952 Ehrenpräsident der IHK Düsseldorf. Bekannt geworden ist Josef Wilden auch über seine zahlreichen Aufsätze, Bücher und Schriften, in denen er sich mit Kunst und Wissenschaft, Politik und Volkswirtschaft, aber auch mit der Stadtgeschichte Düsseldorfs und der Kammerhistorie befasste. Wilden engagierte sich darüber hinaus in vielen Ehrenämtern, etwa als Vorsitzender des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen oder als Vorsitzender der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Kunstakademie Düsseldorf.

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Quellen:
Wilden, Josef. Kunst und Wirtschaft. 1930.
175 Jahre IHK Düsseldorf Handeln für Unternehmen. 2006.

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