Der Komponist Ludger Brümmer war einer der ersten seiner Generation, die sich dem damals neuen Feld der ausschliesslich digital erzeugten elektro-akustischen Musik zuwandte. Er ist einer der Wegbereiter einer musikalischen Gattung, die inzwischen längst über das Wachsen und den mehrfachen Wandel hinaus  ist. Ahnte er das damals bereits? „Künstler sind immer im Hier und Jetzt behaftet. Die Rezeption liegt in der Vergangenheit. Das heißt die Kunst, die wir verstehen, ist auch immer eine Kunst von gestern und einer vorherigen Zeit. Künstler leben auch in der jetzigen Welt und dass sie 50 Jahre weiter leben sollten, macht keinen Sinn. Das Einzige ist, dass sie sich etwas weiter vortasten“, sagt er. Und ein Ziel seiner  Reise stand nie fest: „Man lässt sich auf einen ergebnisoffenen Prozess ein. Dieser Moment der Überraschung haftet dem Kreativen immer an. Man lässt sich selber überraschen.“

Im Gespräch mit Brümmer wird deutlich, dass für ihn die Aspekte der Emotionalität und Sinnlichkeit eine entscheidende Rolle in seiner Arbeit spielen. „Der kreative Prozess ist kein Selbstzweck und es ist auch keine rein kognitive Beschäftigung mit Inhalten, sondern ist immer begleitet von Emotionen.“ Emotionen und die Frage nach dem Sinngehalt leiten ihn primär in seinem Schaffen und seinem Bestreben etwas in die Welt hinaus zu transportieren: „Sinnlichkeit ist für mich eine menschliche Eigenschaft, für die ich eintrete. Es geht darum, dass wir keine allzu abgehobene Kunst machen, sondern uns auch verknüpfen und erden können. Die Kreativität ist für mich daher nicht das Beängstigende, sondern eher die Frage nach dem Sinn der Kreativität, die Frage der Umsetzung.“ Er schlägt somit einen scheinbar irrationalen Weg ein, um sich mit der Realität zu verbinden. Um sich zu vergewissern, ob es funktioniert, ist schließlich die Aufführung vor dem Publikum entscheidend – „das ist eine privilegierte Situation“, sagt er und bedeutet für ihn eine Art Wertschätzung, die essentiell wichtig für den Fortgang seiner Arbeit ist.

Brümmer ist der Meinung, dass ein künstlerischer Prozess nicht notwendigerweise an die Musik bzw. Kunst im Allgemeinen gebunden ist. „Kreativität muss nicht immer künstlerisch sein. Dieses Interesse daran sich solchen Prozessen hinzugeben und zu kombinieren, montieren, aufbauen, zerstören und ein Ergebnis zu haben – diese Neugierde ist etwas ganz Zentrales.“ Die Integration solcher Prozesse oder der Möglichkeit sich solchen Prozessen hinzugeben, kann auch in anderen Disziplinen verwirklicht werden. Brümmer erklärt, dass es genau diese Prozesse sind, die unter Künstlern das Gefühl der Selbstverwirklichung befördern. Dabei handelt es sich nicht um einen Status Quo, sondern eine stetige Weiterentwicklung. „Ich finde das Entscheidende ist die Identifikation mit dem, was man tut. Das ist etwas, das Künstlern ziemlich eigen ist. Auch wenn sie ambivalent zu ihrem eigenen Werk stehen und ihre Haltung mal ändern können, identifizieren sie sich mit ihrem Schaffen und mit dem, was aus ihnen heraus geboren worden ist.“

Lesen Sie das vollständige Interview (nur in Englisch).

Blog-Beitrag: Benjamin Stromberg
Bildquelle: Ludger Brümmer

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