In einem der populärsten Künstlerviertel im Osten Pekings lädt der Photograph Zhang Wei in sein attraktiv eingerichtetes Atelier ein, das in einem dunklen Hinterhof liegt. Das Viertel erscheint recht zentral und ist lebendig, doch zurück in das Stadtzentrum sind es zwei Stunden. Zhang Wei schaut wie jemand, der viel in seinem Leben gesehen hat und spricht leise und bedacht. An seinen Wänden hängen weltberühmte Persönlichkeiten in Form von perfekten Fotografien, so scheint es. Zhang Wei ist ein Meister der Täuschung, denn keine dieser Persönlichkeiten hat er jemals getroffen. Die Stars sind Collagen hunderter Gesichter, die Zhang bei chinesischen Menschen fotografiert hat. Er sagt, dass Gesichter von anderen Menschen sein Mittel sind, um sich selbst auszudrücken. Er gießt einen kochend heißen Tee ein. Der erste Schluck verbrennt die Zunge. „Es war ein langer Weg. Ungefähr vor 15 Jahren wollte ich wirklich einen Weg finden, um mich auszudrücken. Anfangs war ich einfach sehr verwirrt. Ich probierte jede Methode aus, die man sich vorstellen kann. Und eigentlich ging es bei den Methoden auch nur um die Methoden selbst: So kam ich schließlich zur Kamera, um festzuhalten, was um mich herum war. Zuerst fokussierte ich mir nur auf mich und meine Freunde. Dann stellte ich fest es wäre etwas Größeres, wenn ich einen gesellschaftlichen Zusammenhang herstellen kann – das ist der Prozess. Zuvor war es so, als würde ich all die Arbeit nur für mich und meine Freunde machen. Danach dachte ich einfach die Zeit ist gekommen die Welt zu beobachten.“

Diese Verbundenheit zur Gesellschaft durch den Ausdruck seiner selbst, ist für Zhang der Schlüssel seines Künstlerseins. An diesen Punkt zu gelangen, ist harte Arbeit: “Zuvor haben mir sogar viele Leute gesagt, dass meine Arbeit nicht gut war. Ich wurde traurig, wenn sie das gesagt haben. Im Laufe der Zeit begann ich zu denken, dass es nicht so schlimm ist, wenn jemand etwas Schlechtes über meine Arbeit sagt. Ich hörte nicht darauf und versuchte einfach mein Bestes.“ Diese Beharrlichkeit ist Zhang wichtig, aber nicht damit zu verwechseln immer nur mehr vom Gleichen zu probieren: „Nicht nur versuchen. Ein Künstler zu sein, heißt nicht bloß Dinge zu versuchen. Es geht hauptsächlich um Erfahrungen und es auf natürliche Weise passieren zu lassen.“ Anschließend kocht er einen neuen Tee, dieses Mal eine andere Sorte. Zhang ist es wichtig seine soziale Verbundenheit zu seinen Mitmenschen als den Kern seiner Kunst darzulegen. „Ich versuche stets nicht nur die Momente einzufangen, sondern auch den Wandel, denn unsere Gesellschaft befindet sich in einem beständigen Wandel. Ich möchte meine Gedanken hierzu den Menschen zurückgeben, die die Bilder sehen. Und hoffentlich können sie dadurch auch sich selbst besser verstehen. Ich denke auf jeden Fall, dass ich den Menschen helfen möchte.“ Kunst ist sein Mittel der Wahl, um eine solche Verbundenheit in der Gesellschaft möglich zu machen und Kommunikation ist die wichtigste Voraussetzung, die er nennt: „Kommunikation miteinander ist der Schlüssel. Was ich sehr schätze, sind Wohnprojekte, in denen auch Künstler aus der ganzen Welt aufeinandertreffen, leben und miteinander sprechen. U2nd sie sagen: Wir sind alles Menschen. Alles, was wir versuchen, ist Freiheit. Solch einen Geist der ganzen Welt zuteilwerden zu lassen, ist eine fantastische Idee.“ Er lächelt und nickt bedächtig. Es ist Zeit Abschied zu nehmen.

Lesen Sie das vollständige Interview (nur auf Englisch).

Interview und Blog Beitrag: Benjamin Stromberg
Bildquelle: Der Künstler

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