SAFI ist eine Musikerin und Namensgeberin der gleichnamigen Band deren Wirken irgendwo zwischen Punk und Poesie angesiedelt ist. Nach einer grafischen Ausbildung in Leipzig und Halle und unterschiedlichen Tätigkeiten in diesem Bereich wurde der Wunsch sich überwiegend musikalisch auszudrücken für SAFI immer stärker und schließlich legte sie sich auf dieses Genre fest während sie außerdem als Grafikdesignerin arbeitet. Durch ihre Konzerte und Termine mit Kunden fern der Berliner Heimat ist Safi viel unterwegs und erzählte uns, dass “on the fly zu arbeiten” ein Bestandteil ihres kreativen Gestaltungsprozesses ist. “Wenn ich unterwegs arbeite, ist meine Konzentration am höchsten. Wahrscheinlich, weil ich dann enge Zeiträume habe und mich nichts ablenken kann. Eine Zeitkapsel. Sie [die Konzentration] ist jedenfalls viel höher als wenn ich die Zeit hätte, tagelang im Studio zu arbeiten. Man hat die ganze Zeit eine Beobachterposition. Man nimmt Einflüsse auf und schaut aus dem Fenster oder Leute an. Gerade die Situation, in einem Raum eingeschlossen zu sein, den man nicht willkürlich verlassen kann, beflügelt mich zum Kreieren. Das ist Collage für mich.” Dabei liegt es nahe, all diese Eindrücke nicht nur wahrzunehmen, sondern für die eigene Arbeit zu verwenden.

“Ich sammle die ganze Zeit Eindrücke – egal, wo ich mich bewege. Ich sammle über Tonaufzeichnungen und mit einem Skizzenbuch, in das ich Satzfetzen schreibe, oder wenn ich am Rechner mit Aufnahmen experimentiere – Spuren zusammenfüge, wieder auseinandernehme und andere in Archiven ablege: Soundcollage.”

SAFI – GOLEM 10+22 (Remix von Alexander Hacke)

Wie SAFI all diese Fragmente dann zu einem ganzen verknüpft, erzählte sie uns im Interview und beschreibt ihr Vorgehen so: “Text und Musik, behandle ich wie eine Skulptur, ich verdichte und trage dann wieder ab, bis sich die Form gefunden hat. Zurzeit ist es so, dass die Grundlage für ein Stück der Sound, die Musik, der Rhythmus, die Melodie bildet. Später kommt der Text – aber manchmal ist es auch anders herum.”  Dabei scheut sich SAFI nicht ihr Vorgehen im musikalischen Bereich mit ihrer Ausbildung in Verbindung zu bringen wenn sie sagt ”es ist eine Art Malerei für mich; eine Verdichtung und ein Prozess bis zur Erkenntnis, dass es jetzt ausreicht, gut ist und auch nach dem siebten Mal Hören noch besteht.” Bestand hat für SAFI nur was reifen darf. “Grundsätzlich nehme ich mir die Zeit, Stücke länger liegenzulassen. Das schafft den erforderlichen Abstand, ein Stück in seinem Stadium beurteilen zu können. Mit frischem Ohr hast du eine Art Vogelperspektive und erkennst sofort, wo es hakt oder unstimmig ist, ob das Stück wirklich eine Bedeutung hat, ob die Idee verwirklicht wurde und ob das Stück weiterhin eine Relevanz hat. Jede Sekunde, jeder kleinste Fetzen kann einen neuen Song entstehen lassen.

Jeder Millimeter Schrift auf dem Papier hat für mich das Potential, eine Geschichte zu entwickeln. Die Grundinspiration ist die spielerische Herangehensweise: Sich frei zu machen, Regeln aufzustellen und wieder zu brechen, die Leidenschaft am Spielen, am Erschaffen. Die Freude hierbei ist auch die Grundmotivation und die primäre Triebkraft. Die nächste Stufe ist dann die Zielführung: Wo soll es hin? Wie soll es aussehen? Was hat das alles für einen Sinn?”

Für die Musikerin spielt der Kontakt mit anderen Künstlern eine große Rolle auch wenn es manchmal schmerzhaft sein kann. “Es ist eine großartige Sache, mit Leuten aus anderen Bereichen oder anderen Stilrichtungen zusammenzuarbeiten. […] Gemeinsam ist es dann auch noch einmal ein kreativer Prozess. Hier können sich die Songs immer noch verändern. Sie können einen ganz anderen Charakter bekommen, wenn ich merke, dass Matthias an der zweiten Gitarre oder Frank am Schlagzeug plötzlich irgendwas Komisches passiert und wir das versuchen festzuhalten: ‘Spiel das hier mal endlos und wir probieren Verschiedenes aus.’ Oder sie sagen vielleicht: ‘SAFI, das ist unspielbar, das können wir so nicht umsetzen. Was hältst du denn davon, wenn ich das so spiele?’ Dann ist das auch super.”

JANUS Album – Cover

Für SAFI ist selbst nach derartig vielen Iterationsschleifen die Arbeit noch immer nicht getan. “Wie gut du den Song erzählen kannst, zeigt dir dann die Reaktion des Publikums. Hier geht es um den direkten Dialog. Wenn ich meine Kunst nur für mich machen würde, wäre ich wahrscheinlich sehr einsam. Wenn Leute auf Konzerte kommen und zuhören und verstehen, wird es magisch, hier bekommt alles seinen Sinn, wird auf Herz und Niere geprüft, durchleuchtet vom Publikum, wird aufgenommen, abgefeiert oder auch missverstanden – die ganze Arbeit passiert in diesem Moment. Alle werden Eins.”

Das Teilen von Musik, sowie von Kunst, ob auf einer Bühne oder im öffentlichen Raum, bedeutet immer, sich den Meinungen anderer auszusetzen und mit Kritik konfrontiert zu werden.

“Generell finden wir es wichtig, dass Kritik passiert. Am unmittelbarsten gelangt diese auf Konzerten zu uns. Zum einen die direkte Reaktion, der mehr oder weniger starke Beifall, während des Konzertes. Zum anderen nach dem Auftritt. Hier kommen wir am Merchandising-Stand mit den Leuten ins Gespräch. Sie kaufen die Sachen, stellen Fragen oder teilen uns ihre Begeisterung mit, aber auch ihre Kritik.

Aber auch die Leute aus unserem Freundeskreis und Arbeitsumfeld tragen Lob oder Kritik an uns heran. Diese ist dann intensiver, weil wirklich ernsthaft in Frage gestellt oder positiv bewertet wird.” Wichtig dabei ist SAFI, ihre Stücke den Leuten vorzutragen, welchen sie vertraut und deren Kritik ihr weiterhelfen. Und meint, dass es wichtig sei, ihre Musik “nicht zu vielen Leuten zu zeigen, nur einem engen Kreis, sonst fallen zu viele verschiedene Meinungen an. Am glücklichsten macht mich, wenn die Leute sagen, ich hätte ihnen etwas gegeben; sie könnten etwas mit nach Hause nehmen und darüber nachdenken.”

Dass das Künstlerische in alle Lebensbereiche hineinfließt und auch in der Wirtschaft eine große Rolle spielt erkennt auch SAFI und bestätigt unseren Ansatz, dass jeder Mensch Kreativität besitzt und ausüben kann. “Ich habe festgestellt, dass jeder, der noch so weit von Kunst entfernt ist, auch ein Kreativer ist, weil er sein Leben selbstbestimmt und Lust an den Dingen hat, die er betreibt. Sonst würde er sie ja nicht betreiben. Es entstehen Projektideen aus einem kreativen Impuls und einem Wollen heraus. Ob jemand drei oder hundert Angestellte beschäftigen will, also, wie jemand sich sein eigenes Bild, seinen Traum ausmalt, das ist schon kreativ für mich. Es ist ein gestalterischer Prozess. Ich würde dem Geschäftsführer einer Inkassofirma wahrscheinlich raten, mit kreativen Leuten häufig Gespräche zu suchen oder sich öfter mal Ausstellungen oder Konzerte anzusehen. Man sollte miteinander auch auf idealistischer, philosophischer Ebene in Dialog treten, so dass die Perspektive wechseln kann und neue Möglichkeiten sichtbar werden.”

 

Lessen Sie das vollständige Interview

SAFI/ Stephanie von Becker

Interview: Dirk Dobièy
Blog-Beitrag: Adina Asbeck
Bildquelle: SAFI/ Stephanie von Becker (http://safimusic.com/presse/)

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