Im Sommer 2014 führten wir im sonnigen, aber zugigen Innenhof des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) eines jener seltenen Gespräche, die beides sind: ernüchternd und anregend zugleich. Prof. Ariane Berthoin Antal hat einen großen Teil ihrer wissenschaftlichen Arbeit der künstlerischen Intervention in Organisationen gewidmet. Mit ihr unterhielten wir uns über ihre Forschung, über Menschen, die eine Brücke zwischen Wirtschaft und der Welt der Künste bauen, und darüber, wie fragil solche Verbindungen sind und was passiert, wenn die Kunst nur dazu genutzt wird, um das Vorhandene zu stabilisieren. Vor allem aber ging es darum, wie aussichtsreich es sein kann, unsere wirtschaftlich geprägte Gesellschaft mithilfe der Kunst positiv verändern zu wollen.

„Ich glaube, wenn wir im Management und bei den Shareholdern keine Veränderung erreichen, bleiben die Auswirkungen der Kunst […] bestenfalls minimal. Einige Menschen würden sich dafür entscheiden, mit ihrem Leben etwas anderes anzufangen. Im schlimmsten Fall führt es dazu, noch mehr Frust aufzubauen. Kunst hat ohne Zweifel ein großes Potential, aber um auf der Ebene der Shareholder etwas zu verändern, braucht es mehr. Man sollte sich auch dessen bewusst sein, dass eine Gefahr darin besteht, dass die Kunst in diesem Zusammenhang einen zusätzlichen Druck auf die Menschen ausüben kann.“

Wie ernst gemeint der Versuch ist, Organisationen grundlegend zu verändern, zeigt sich am deutlichsten darin, wie ergebnisoffen der Versuch unternommen wird, und darin, wie sich die Entscheider verhalten. Sind sie bereit, sich zu verändern, ihre Art zu denken, ihre Art Fragen zu stellen, ihre Art sich zu messen? Oder beschwören sie weiterhin Innovationen, um im selben Atemzug kurzfristig messbare Ergebnisse zu fordern, die von vornherein definiert sind?

Ist letzteres der Fall, davon ist Ariane Berthoin Antal überzeugt, „besteht die Gefahr, dass die Kunst brav, langweilig und letztendlich wirkungslos bleibt, weil Management und Mitarbeiter weiterhin primär daran gemessen werden, wie produktiv und effizient sie sind. (…) Wir wissen nicht, was passiert, wenn künstlerische Haltungen und
Praktiken Menschen beeinflussen. Es könnte auch die Hölle sein. Das (…) muss als ein mögliches Ergebnis Ihrer Suche vorstellbar bleiben, denn Kunstprojekte sind ergebnisoffen. Wenn man dazu nicht steht, zähmt man die Kunst, bevor es richtig losgeht.“

Dass es der Realität in Organisationen heute näher kommt, vom Scheitern solcher Versuche auszugehen, daran lies unsere Gesprächspartnerin wenig Zweifel. Das System ist zu stark, um es nur bottom-up zu verändern. Die Bereitschaft der Entscheider aber, an einer grundlegenden Veränderung mitzuwirken, ist zu gering. So wenig Ariane Berthoin Antal bestehenden Organisationen eine grundlegende Veränderung zutraut, so vielversprechend ist für sie der Weg des Neuen: „Manchmal denke ich, vielleicht ist es auch besser, viele neue Organisationsformen zu kreieren, die das System von außerhalb in Bewegung setzen, als zu versuchen, es von innen heraus zu verändern. Neue Netzwerke, die experimentieren, so wie Sie es tun, und andere Menschen dazu einladen, mit ihnen zu experimentieren. Vielleicht erreicht man so eine Art Butterfly-Effekt. Das könnte wirkungsvoller sein als das Vorhaben, in bestehenden Organisationen etwas zu verändern.“

Lesen Sie das vollständige Interview  mit Professor Antal.

Bildquelle: WZB / Prof. Dr. Ariane Berthoin Antal

Finden Sie mehr über Ariane Berthoin Antal und ihre Arbeit heraus, zum Beispiel über eine ihrer neusten Publikationen über künstlerische Intervention.

FacebooktwitterpinterestlinkedintumblrmailFacebooktwitterpinterestlinkedintumblrmail

Wir verwenden auf unserer Webseite Cookies. In den Datenschutz-Einstellungen können Sie bestimmen, welche Dienste verwendet werden dürfen. Durch Klick auf "OK" stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.

Privacy Settings saved!
Datenschutz-Einstellungen

Wenn Sie eine Website besuchen, speichert oder ruft sie möglicherweise Informationen in Ihrem Browser ab, meistens in Form von Cookies. Kontrollieren Sie Ihre persönlichen Cookie-Dienste hier.

Diese Cookies sind für das Funktionieren der Website notwendig und können in unseren Systemen nicht abgeschaltet werden.

Zur Nutzung dieser Website verwenden wir die folgenden technisch notwendigen Cookies
  • PHPSESSID
  • wordpress_test_cookie
  • wordpress_logged_in_
  • wordpress_sec
  • wordpress_gdpr_allowed_services
  • wordpress_gdpr_cookies_allowed
  • wordpress_gdpr_cookies_declined
  • wfwaf-authcookie-
  • wf_loginalerted_
  • wfCBLBypass

Alle Cookies ablehnen
Alle Cookies akzeptieren