Auf die Dauer nimmt die Seele die Farben deiner Gedanken an. – Marc Aurel

Helge Steinmann ist in der Szene besser bekannt als „Bomber One“ und gilt in Deutschland als Graffiti-Institution. Der gebürtige Hesse studierte Kommunikationsdesign und ist bereits seit Ende der 80er als Graffiti-Künstler aktiv. Er war und ist vor allem im Raum Frankfurt aktiv und machte sich auch international einen Namen als Organisator, Mitgestalter und Gast auf zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen. Seine Werke wurden in mehreren Magazinen und weiteren Publikationen veröffentlicht. In einem Interview sprach er mit uns über seinen Werdegang als Künstler, über die Freiheit der Kunst und die Wertschätzung der eigenen Arbeit; über Lernprozesse und Wissensvermittlung, sowie über seine Ideenfindung und die alltäglichen Begegnungen mit Strukturen und Einschränkungen.

Über den Mut, „den Sprung zu wagen, nachts rauszugehen und dieser Welt etwas hinzuzufügen.“

Dieser Satz beinhaltet natürlich Wort wörtlich den Prozess des Graffitikünstlers, sich zu wagen, draußen und meist heimlich ein Bild zu sprühen. Jedoch ist auch gemeint, den Mut zu haben sich im öffentlichen Raum auszudrücken, der Welt ein eigenes Werk zu präsentieren und das Medium der Kunst zu nutzen, seine eigene Meinung öffentlich kund zu tun. Denn „auch wenn man nach außen hin unsichtbar wirkt, gibt einem das Medium ein Mitspracherecht. “Mit Kunst erfolgreich zu werden ist jedoch nicht einfach. Helge Steinmann arbeitete fast zwei Jahrzehnte an seinem Ziel, von seiner Kunst leben zu können und erzählte uns von seinem steinigen Weg und der Überzeugung an sich zu glauben und nicht aufzugeben. „Ich glaube daran, dass man manche Entscheidungen lange genug durchhalten muss, damit es irgendwann zu einem Erfolg führt.“

Graffiti von Helge Steinmann

Graffiti von Helge Steinmann

Über die Ideenfindung und Improvisation

„Früher war das Ausprobieren viel aufregender als das Endergebnis.“ Ausprobieren, bedeutet wiederrum, sich zu trauen und vor allem einfach anzufangen. Ob Skizzenhaft oder direkt mit Farbe, ob schriftlich oder über eine Aufzeichnung sollte dabei keine Rolle spielen. Improvisieren und seine Ideen aufbereiten um ein Ganzes zu schaffen beschreibt einen Prozess der Zeit und Geduld erfordert. Bomber One spricht von situativen Geistesblitzen aus dem Alltag, nicht von überaus ungewöhnlichen Ideen, welche man nutzen kann um ein Werk zu erschaffen. „Meine Ideen kommen aus dem Alltag. Ich lese einen Artikel in der Zeitung, bekomme etwas über Facebook oder das Internet zugesendet, oder sehe eine Abbildung. Die Eindrücke sind mannigfaltig und ich kann keine genauen Quellen angeben, wo die Einflüsse herkommen. Spontane Geistesblitze schreibe ich auf oder zeichne mir eine kurze Notiz. Ob meine Ideen schließlich erfolgreich umgesetzt werden, entscheidet der Moment.“ Außerdem bedeutet Improvisation auch, dass eine Zeichnung die aus dem Moment heraus entsteht nicht unbedingt perfekt ausgearbeitet sein muss, sondern eine Momentaufnahme sein und bleiben darf. „Diese Herangehensweise finde ich im Wesentlichen auch viel ansprechender als die perfekte Ausarbeitung. Es behält damit den Eindruck, der momentanen Situation. Das bedeutet nicht, dass die Stilistik, die ich momentan male auch so bleibt. Wenn ich mich nächstes Jahr für etwas völlig Anderes begeistere, dann wandelt sich meine Einstellung wieder.“

“Ich tue etwas, das mir Spaß macht.” Über den ökonomischen Wert und die persönliche Erfüllung

Sich selbst und seine Kunst lieben lernen, ist eine große Herausforderung für jeden Künstler. Oft geht es um Erfolg, Geld, Konkurrenz und die Kritik des Publikums. Helge Steinmann macht jedoch deutlich, dass die eigene Wertschätzung an erster Stelle stehen sollte. Außerdem sollte Kunst in erster Linie Spaß machen. „Ich betrachte die Werke losgelöst von der Kundensicht, weil es Unikate sind. Ich freue mich natürlich, wenn andere Leute meine Arbeiten schön finden. Meine Wertung ist aber vorrangig. Ich selbst bin in erster Linie das Zielpublikum und wenn es mir gefällt, dann bin ich zufrieden. Gefällt es anderen, dann ist das umso schöner, aber nicht notwendig. Ich muss hinter dem Werk stehen können.” Des weiteren kritisiert er unser ständiges Streben nach materiellem Besitz und der Ökonomisierung von Kunstwerken. Natürlich ist es auch ihm wichtig mit seiner Kunst weiterhin erfolgreich zu sein, aber nicht auf das Materielle bezogen, und beschreibt die Vergänglichkeit aller materiellen Besitztümer im Gegensatz zu der eigenen Zufriedenheit und der Möglichkeit, seine Zeit frei zu gestalten. „Viele von uns sind im Daily Hustle des Überlebens und wir haben im Grunde materiell alles, sind aber konditioniert über die Medien und werden dazu konditioniert immer neue Produkte zu erwerben, um andere menschliche Wesen in unserer näheren und weiteren Umgebung zu beeindrucken. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Ich denke es braucht weniger, um wirklich glücklich zu sein. Ich möchte selbst gar nicht viel besitzen und habe festgestellt, dass meine Besitztümer nur temporär in meinem Besitz sind. Nur unsere Lebenszeit besitzen wir tatsächlich. Alles andere steht in unserer Lebenszeit nur unter unserer Verwaltungshoheit. Abschließend geben wir es wieder ab und es ist in naher Zukunft wieder bei jemand anderem oder inzwischen klein gemahlen in Atome. Wir besitzen nichts. Das ist eine Illusion.“

Der Werkzeugkasten des Künstlers

Der Werkzeugkasten des Künstlers

Über die Freiheit

„Ich definiere Fine Art als freie Arbeit, die nicht gesteuert wird und daher hohe Wertigkeit besitzt.“ Fine Art unterscheidet sich von Auftragsarbeiten und beschreibt jenes künstlerische Schaffen, dass sich aus eigenen Erfahrungen und Werten herausbildet und zu Papier, auf die Leinwand oder an Mauern gebracht wird. „Zu den bedeutendsten Kriterien zählen für mich die Freiheit in der Konzeption und meine Haltung zum Werk. Wenn es mir leid tut das Bild aus der Hand zu geben, dann hat es für mich eine hohe Wertigkeit.“ Steinmann ist der Meinung, dass „Kunst ständig auf der Suche nach Freiraum, oder sogar Freiheit ist.“ Freiraum bedeutet in diesem Zusammenhang, die Möglichkeit, sich uneingeschränkt ausdrücken zu dürfen; vor allem im öffentlichen Raum. „Die Suche der Kunst nach Freiheit führt dazu, dass Normen gebrochen werden und Recht auch mal hinterfragt wird.“

Lesen Sie das vollständige Interview.

Blog-Beitrag: Adina Asbeck
Bildquelle: Helge Steinmann (Graffiti), Age of Artists

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