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Video Storytelling: Nutzen Sie Bewegtbild als effektives Medium zur InhaltsvermittlungVideo-Storytelling: Neues Workshop-Seminar von Age of Artists in Berlin

Video Storytelling: Nutzen Sie Bewegtbild als effektives Medium zur Inhaltsvermittlung

Was Sie bei diesem Workshop-Seminar lernen werden.

Unter der Leitung erfahrener Filmemacher werden Sie mit den Grundlagen des filmischen Storytellings – der Fähigkeit Geschichten zu entwickeln und zu erzählen – vertraut gemacht. Sie erlangen grundlegende technische Sicherheit bei der Gestaltung von Filmen – von der Idee bis zum Schnitt. Außerdem erleben und reflektieren Sie den künstlerisch-schöpferischen Kreativprozess, der auch für andere Gestaltungsaufgaben im organisatorischen Kontext eingesetzt werden kann.

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Wieso dieser Kurs wichtig ist?

Der digitale Wandel führt zu einem Überangebot von Informationen. Es wird immer schwieriger, interessante Inhalte effektiv an die jeweilige Zielgruppe zu vermitteln. Dadurch wird die Fähigkeit, wichtige Informationen in Geschichten zu erzählen und kreativ aufzubereiten immer relevanter. Gleichzeitig verändert sich die Mediennutzung dramatisch. Bereits heute macht Bewegtbild über 50% der Internetnutzung aus und Schätzungen gehen in den kommenden Jahren von über 70% aus. Wer seine Kunden, Mitarbeiter oder andere Zielgruppen gekonnt ansprechen will, der kommt an Videoinhalten nicht vorbei. Will man den Zuschauer packen, eine schnellere intensivere Beziehung aufbauen und Inhalt direkter und effektiver vermitteln, braucht es drei Dinge: Wissen über Film als Kreativprozess, die Fähigkeit Geschichten zu erzählen und technische Grundkenntnisse. Dabei ist es nicht mehr, wie noch vor einigen Jahren, notwendig, viel Geld für komplizierte Technologien auszugeben. Ein Smartphone und etwas Software genügen häufig schon.

Welche Kursinhalte sind geplant?

  • Sie lernen die Grundlagen des Storytelling und entwickeln eine eigene Geschichte.
  • Sie tauchen tiefer in das visuelle Denken ein.
  • Sie erarbeiten sich die technischen Grundkenntnisse im Umgang mit dem Medium, sodass Sie später eigenständig Geschichten filmisch umsetzen können.
  • Sie durchlaufen den gesamten künstlerischen Prozess: von der Idee, über die Sammlung des Rohmaterials, den Schnitt bis hin zur Aufführung.
  • Sie agieren mit mehr Selbstvertrauen vor und hinter der Kamera und können dies auch anderen vermitteln.

Der dreitägige Kurs ist in 4 Themengebiete gegliedert:

Plot – Entwickeln Sie eine Story als Basis für Ihr Video. Während des Seminars werden Sie die grundlegenden Prinzipien von Video-Storytelling kennenlernen. Sie werden lernen, in Bildern, Situationen, Aktionen und Möglichkeiten zu denken. Sie erlangen Erfahrung in der Visualisierung einer Geschichte.

Footage – Sammeln Sie das Rohmaterial für Ihren Film, auch indem Sie selbst vor und hinter der Kamera stehen. Sie werden verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, um Filmmaterial zusammenzutragen. Ihnen werden technische und ästhetische Details beigebracht, die großartige Filme liefern – sogar bei scheinbar langweiligen Themen. Sie werden gefordert, indem Sie selber vor der Kamera agieren müssen. Außerdem werden Sie lernen, wie man andere vor und hinter der Kamera führt und unterstützt.

Postproduction –Sie lernen, dass Filmen nicht nur das Halten der Kamera bedeutet, sondern vor allen Dingen Entscheidungen im Schneideraum erfordert. Sie lernen zu bestimmen, welche Szenen behalten und welche verworfen werden. Sie erfahren, wie es ist, Ihre Lieblinge zu zerschneiden, und im Schnitt den Erzählrhythmus zu finden, Spannungsbögen zu bauen, Erwartungen zu schüren und Wendungen vorzubereiten. Und Sie werden lernen, wie man im Finishing einfache Effekte und Sound hinzufügt.

Premiere – Sie präsentieren Ihr Werk den anderen Teilnehmern und bekommen wichtige Rückmeldung zu deren Sicht auf Ihre Arbeit. Durch das Feedback und die Kritik werden Sie inspiriert noch besser zu werden.

Der Kurs ist so aufgebaut, dass Sie ständig mit den grundlegenden Mustern des künstlerischen Schaffensprozesses in Berührung kommen: Wahrnehmung, Reflexion, Gestaltung und Reaktion des Rezipienten. Die Haltung, die Sie dabei entwickeln, unterstützt Sie auch in anderen Bereichen kreativer Arbeit.

Für wen ist der Kurs geeignet?

Die Kursinhalte sind für zahlreiche Branchen und Berufsgruppen relevant. Sowohl erfahrenen Kommunikationsspezialisten als auch Berufseinsteigern werden wertvolle Werkzeuge an die Hand gegeben. Auch wenn Sie bereits über Grundkenntnisse im Umgang mit dem Medium Film verfügen, können Sie wertvolle Erfahrungen sammeln und Ihre künstlerische Kompetenz weiter entwickeln. Der Kurs richtet sich insbesondere an:

  • Führungskräfte, die Videos als effektives internes Kommunikationsmedium nutzen wollen oder eine überzeugende Story für ihre Stakeholder entwickeln möchten.
  • Kommunikations-, Marketing-, und Ausbildungsspezialisten, die überlegen, wie Bewegtbild effektiv in deren Kommunikations-Mix integriert werden kann.
  • Forscher und Berater, die Videos in ihren Werkzeugkasten integrieren wollen, beispielsweise zur Darstellung von Analysergebnissen oder zur Unterstützung von Transformationsprozessen.
  • Journalisten und Medien-Experten, die Bewegtbildkompetenz entwickeln wollen.

Welche Voraussetzungen sind nötig und was muss ich mitbringen?

Grundsätzlich sind keine Vorkenntnisse nötig, der geübte Umgang mit dem eigenen Equipment unterstützt eine gute Lernerfahrung.

Bringen Sie bitte Ihre Spiegelreflexkamera mit Filmmodus oder Systemkamera wie Lumix GH2, Sony Nex, Olympus OEM, etc. Alternativ ist auch die Teilnahme mit einem Smartphone mit HD Video-Qualität möglich.

Laptop zum Schnitt wird empfohlen. Schnittarbeit wird an Adobe Premiere Pro CC oder Adobe Premiere Rush CC geschehen. Wichtig: Bitte laden Sie sich kurz vor dem Seminar die 7 Tage Testversion von Premiere auf Ihr Notebook (auf der Seite rechts oben befindet sich der Link).

Wer leitet das Workshop-Seminar?

Benjamin Quabeck ist Regisseur, Autor und Cutter und lebt mit seiner Familie in Berlin. 2001 verfilmte er seinen bei Goldmann verlegten Roman “Nichts Bereuen”. Der Film wurde unter anderem mit dem Nachwuchspreis der deutschen Filmkritik für Regie bedacht. In seinem ebenfalls preisgekrönten zweiten Spielfilm “Verschwende Deine Jugend” debütierte Christian Ulmen. Quabeck trat als Koproduzent von “Winterreise” von Hans Steinbichler und “Drachenmädchen” von Inigo Westmeier auf und inszenierte im Bereich Werbung Fernseh- und Kinospots, unter anderem für One.org mit Bono. Neben zahlreichen Hörspielproduktionen als Autor und Regisseur, wie zuletzt „Der nasse Fisch“- die Hörspielserie zu Babylon Berlin für die ARD, schneidet Benjamin Quabeck die Filme des Aktionskünstlers John Bock, setzt crossmediale Inhalte wie “Wishlist” um und entwickelt derzeit einen neuen Kinofilm mit der Rommel Film e.K nach einem Roman von Thomas Melle.

Alexander Loskant ist Filmproduzent und Professor für Medienwirtschaft an der RFH Köln. Daneben ist er seit August 2008 auch als Produzent für enigma film Köln tätig, u.a. bei internationalen Kinoproduktionen wie ‘Die schwarzen Brüder’ von Oscar-Gewinner Xavier Koller, ‘Puppe’ oder ‘Dawn’ mit Hollywood-Darsteller Jason Isaacs.

Termin: 8. – 10. Mai 2019

Veranstaltungsort: Berlin

Gruppengröße: Maximal 20 Teilnehmer

Kursgebühren (inklusive Verpflegung während des Seminars, exklusive Reise und Übernachtung):

Corporate Rate: 1.380 .-
Freelance Rate: 980 .-

Stipendien: Wir vergeben zwei Mitmachstipendien für Menschen in Ausbildung. Bitte kontaktieren Sie uns bei Interesse ebenfalls über den Anmeldelink.

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Wenn Sie Fragen zum Seminar haben können Sie uns diese ebenfalls über den Anmeldelink stellen. 

Wir freuen uns auf Sie! 

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Bildquellen:
Thanks to: Krists Luhaers, Jakob Owens, Myke Simon, Fancycrave, Thomas Russell on Unsplash

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Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (4/5)Musik ohne Mensch: Virtuos ohne üben zu müssen?

Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (4/5)

Von Thomas Köplin und Dirk Dobiéy

Vierter Teil unserer fünfteiligen Reihe. Den ersten Teil lesen Sie hier, den zweiten Teil hier, und den dritten Teil hier.

Teil 4: Automatisierung, Routine und Spiel

Maschinen nehmen uns dank Automatisierung Arbeit ab. Sie übernehmen Aufgaben, die gefährlich sind, Aufgaben, die Präzision erfordern, oder Aufgaben, die uns langweilen. Die zunehmende Leistungsfähigkeit oder (wenn man so will) Intelligenz der Systeme macht es möglich, auch wissensintensive oder komplizierte Tätigkeiten zu automatisieren. Auch wenn sich unsere Wahrnehmung der damit verbundenen Vorteile schnell abnutzt und sicher jeder Mensch eine eigene Perspektive auf diese Vorteile entwickelt, es gibt sie zweifellos: Die Automatisierung von Routinetätigkeiten schafft uns neue Freiräume, die wir im besten Fall mit sinnvolleren Tätigkeiten ausfüllen können.

Die Automatisierung von Routinetätigkeiten schafft uns neue Freiräume.

Und natürlich nimmt uns Automatisierung auch etwas: An erster Stelle wird hier den meisten der Verlust von Arbeitsplätzen einfallen, gefolgt vielleicht von Fragen der Ethik und Sicherheit. Doch davon verdeckt, im öffentlichen Diskurs beinahe unbeachtet gibt es eine weitere Frage, die für unser Selbstverständnis und unsere Zukunft ganz zentral ist: Was macht es mit unserer Kreativität, wenn wir Maschinen unsere Routinen überlassen? Was wird irgendwann aus dem Üben, dem Wiederholen der immer gleichen Handlungen, die notwendig sind, um dadurch jene Reife zu erlangen, die es wiederum möglich macht, sich darüber zu erheben und über sich hinauszuwachsen? 

Ohne das Fundament der Routine ist Neues nicht vorstellbar. 

Auch der Kulturwissenschaftler Andreas Reckwitz sieht die Routine als eine wesentliche Zutat für das Entstehen von Kreativität. Innovation ohne Routine ist für ihn nicht denkbar. „Das Schreiben an einem Roman oder das Malen an einem Bild ist zu einem erheblichen Teil eine routinierte Technik, die auch bestimmte Kompetenzen erfordert, die in einem langen Prozess erst mal erworben und trainiert werden müssen. (…) Es geht dabei nicht um eine Routine, die auf einer geistlosen Wiederholung beruht, sondern auf komplexen Kompetenzen.“[1] Auch wenn er seine Beispiele in der Kunst sucht, es ist unerheblich, in welchem Bereich man sich bewegt. Ob nun Geiger, Sofwareentwickler oder Koch – ohne das Fundament der Routine ist Neues nicht vorstellbar. 

Routine ist eng verbunden mit unserem Hang zum Spielerischen, das unsere Beweglichkeit im Denken und Flexibilität im Handeln trainiert. Bernd Rosslenbroich, Leiter des Instituts für Evolutionsbiologie an der Privatuniversität Witten/Herdeckeist sich sicher, dass die großen evolutionären Veränderungen nicht als reine Anpassung an Umweltbedingungen erfolgten, sondern aus einem Wechselspiel und einem Austausch von Organismus und Umfeld heraus. Für ihn ist es konsequent und selbstverständlich, dass höher entwickelte Organismen anfangen zu spielen: „Eine Evolutionsforschung, die sich auf Anpassung konzentriert, kann diesen Sachverhalt evolutionsbiologisch nur schwer erklären, weil das Spielen keinen Anpassungswert hat. An dieser Stelle kann man das Spiel des Menschen betrachten und feststellen, dass der Mensch das Spielen exzessiv betreibt. Kinder spielen ausgesprochen umfangreich. Wird dieser Gedanke fortgeführt, kann man eine gewisse Kreativität erkennen. Es werden flexible Handlungen geübt und kein bestimmtes Verhalten, sondern eine Vielfalt von Verhaltensmöglichkeiten wird eingeübt. Es wird Flexibilität an sich gelernt und das ist Kreativität. Das charakterisiert den Menschen ganz besonders. Wir haben Freiheitsgrade, die wir durch das Spielen trainieren.”[2]

Flexibilität ist Kreativität.

Die vielen Spielarten des Spiels – Experimentieren, Entwerfen, Proben, Komponieren, Kombinieren, Improvisieren und einige mehr – die man im Künstlerischen, aber natürlich auch andernorts findet, geben einen Hinweis darauf, dass das Spiel für uns Menschen eine ernste Sache ist. Zu Recht: Wenn man Routine als eine Quelle unseres Könnens versteht, dann liegt im Spielerischen der Schlüssel zur Kreativität und in der Verbindung aus beidem die Chance, Innovationen hervorzubringen. Legen wir dagegen zu viele unserer Routinen in die Hände von Maschinen, verringert das ganz automatisch unsere Anreize, uns spielerisch weiterzuentwickeln. Damit aber entziehen wir einer immer wieder von vielen Seiten geforderten Gestaltungskompetenz und Innovationsfähigkeit den Boden. 

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Im fünften und letzten Teil unserer Serie denken wir darüber nach, wie digitale Intelligenz, durch eine Überbetonung rationaler Entscheidungsfindung, unsere Intuition abwerten und unsere Widerstandsfähigkeit reduzieren könnte. 

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Dieses Essay basiert auf unseren Nachforschungen der letzten vier Jahre. Was unsere Erkenntnisse lebensnah und anwendbar macht, ist, dass wir bis heute weit über 100 Gespräche mit Künstlern aller Genres, aber auch mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern geführt haben. Ausführlich berichten wir darüber in unserem Buch „Creative Company“ (https://creativecompany.ageofartists.de)

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[1] Age of Artists. Interview mit Andreas Reckwitz. 11.06.2015. 

[2] Age of Artists. Interview mit Bernd Rosslenbroich. 14.10.2015.

Bildquelle: Franck V on Unsplash

 

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Die Muster des Künstlerischen: Age of Artists auf dem HR-Radar 2019 der Zeitschrift Personalwirtschaft

Die Muster des Künstlerischen: Age of Artists auf dem HR-Radar 2019 der Zeitschrift Personalwirtschaft

“Haben Sie auch Fomo?”, fragt die Zeitschrift Personalwirtschaft in ihrer neusten Ausgabe. „Fear of missing out“ beschreibt die Angst, etwas zu verpassen. Damit ihre Leser gänzlich angstfrei ins neue Jahr starten können, hat die Redaktion der bekannten Fachzeitschrift ihre Fühler ausgestreckt und geschaut, wen und was man 2019 im Auge behalten sollte. Schön, dass sie uns gefunden und gleich als Impuls fürs neue Jahr in ihre Startausgabe aufgenommen haben. “Dirk Dobiéy, Thomas Köplin und ihr Netzwerk Age of Artists wollen Unternehmen einen künstlerischen Zugang zu Kreativität und Innovation vermitteln. Das ist ein hehres Anliegen, doch mit ihrem gerade veröffentlichten Buch treffen sie den richtigen Ton”, schreibt Chefredakteur Cliff Lehnen über Creative Company.

Zum vollständigen Beitrag

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Creative Company Salon: Berlin am 29. Januar 2019

Creative Company Salon: Berlin am 29. Januar 2019

Wie künstlerisch zu arbeiten dabei hilft, über sich hinaus zu wachsen – ein Salongespräch mit Dirk Dobiéy, Thomas Köplin und Gästen

Unsere Gäste:

  • Jörn Grothkopp (Maler)
  • Benjamin Quabeck (Regisseur, Autor, Cutter)
  • Hans-Jörg Rheinberger (Wissenschaftshistoriker)
  • SAFI (Musikerin)
  • Sandra Schürmann (Sozialunternehmerin)

Technologischen Fortschritt, wirtschaftliche Überlegungen und künstlerische Herangehensweisen miteinander zu verbinden, bildet die Grundlage dafür, unsere Einzigartigkeit und Unentbehrlichkeit zu wahren, Organisationen langlebig zu machen und dringende gesellschaftliche Herausforderungen zu bewältigen. Davon sind die beiden Autoren Dirk Dobiéy und Thomas Köplin überzeugt. „Für Ohren, die nüchternes Management-Sprech gewohnt sind, klingt (die) Idee erst einmal pathetisch, überzogen, geradezu romantisch. Doch (sie liegen) damit im Trend: Kunst ist eine gefragte Inspirationsquelle für Innovation und Perspektivwechsel in der Wirtschaft – gerade weil dort vollkommen andere Prinzipien und Werte gelten“, schreibt das Magazin Der Spiegel über ihre Arbeit.

Was ihre Erkenntnisse lebensnah und anwendbar macht, ist, dass die beiden Mitgründer des gemeinnützigen Beratungs-, Ausbildungs- und Forschungsnetzwerks Age of Artists bis heute weit über 100 Gespräche mit Künstlern aller Genres, aber auch mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern geführt haben, denen man auch in ihrem jüngsten Buch Creative Company begegnen kann. Der Titel des Buches steht dabei sowohl für die sich ständig erneuernde Organisation als auch für das gemeinschaftliche Gestalten in guter Gesellschaft (Good Company).

Ganz in diesem Sinne unternehmen die Autoren anlässlich der Veröffentlichung nun gemeinsam mit wechselnden Gästen eine Gesprächs- und Vortragsreise durch mehrere Städte. Den Auftakt der Reise bildet Berlin.

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Wie künstlerisches Handeln hilft, Unvorstellbares zu erreichen

Wie künstlerisches Handeln hilft, Unvorstellbares zu erreichen

Wir erleben unsichere Zeiten. Auch im Business. Einfach einen Plan aufstellen und dann abarbeiten, funktioniert nicht (mehr). Künstler sind das gewohnt. Dirk Dobiéy und Thomas Köplin zeigen, wie künstlerisches Handeln uns helfen kann, Unmögliches Wirklichkeit werden zu lassen. 

Mit diesen Zeilen von Christoph Pause, Chefredakteur New Management, beginnt unsere neue Kolumne auf der Plattform von Haufe. In Zukunft werden wir dort immer mal wieder darüber berichten welche überraschenden und wertvollen Erkenntnisse wir von Künstlern lernen durften. Den ersten Beitrag gibt es hier.

https://newmanagement.haufe.de/skills/wie-kuenstlerisches-handeln-hilft-unvorstellbares-zu-erreichen

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LAND UND KULTUR GESTALTEN: Age of Artists erhält Bundesfördermittel für KulturprojektImpression aus der Lommatzscher Pflege: Blick auf das Lindigtgut zwischen Leippen und Ziegenhain

LAND UND KULTUR GESTALTEN: Age of Artists erhält Bundesfördermittel für Kulturprojekt

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert innovatives Kulturprojekt im Landkreis Meißen.

 

Das Projekt soll das kreative Potenzial ländlicher Gemeinschaften nutzen und entfalten, um kulturelle und wirtschaftliche Akzente zu setzen.

Die Age of Artists gGmbH mit Sitz in Nossen erhält für ihr Projekt „LAND UND KULTUR GESTALTEN“ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft umfangreiche Fördermittel. Die Förderung ist Teil des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE). Die Stadt Nossen unterstützt das Vorhaben ebenfalls. Im Rahmen des Projektes wird das gemeinnützige Unternehmen in den kommenden zwei Jahren Aktionen und Veranstaltungen mit und für Menschen in der Region Nossen entwickeln und umsetzen.

Die vielfältige Kreativität von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, angefangen bei handwerklichen Fähigkeiten, über soziales Engagement bis hin zu künstlerischer Arbeit, bilden die Basis des Projektes. LAND UND KULTUR GESTALTEN soll diese Kreativität sicht- und erlebbar machen, andere Menschen inspirieren, Austausch und Kommunikation anregen und den Menschen der Region zu Gute kommen.

Die auf zwei Jahre ausgelegte Anschubfinanzierung wird dafür verwendet, Strukturen, Orte und Plattformen zu entwickeln, die auch nach 2020 weiter wachsen können. Dafür wird LAND UND KULTUR GESTALTEN u.a. der Frage nachgehen, wie Menschen im ländlichen Raum miteinander, füreinander und durch einander kreativ sein können.

„Wir wollen diese Kreativität aus dem Verborgenen holen, Menschen vernetzen, Verbindungen herstellen, wo noch keine sind, und wir wollen neue Impulse einbringen – alles mit dem Ziel, das kreative Potenzial ländlicher Gemeinschaft bei der Entfaltung zu unterstützen, kulturelle und wirtschaftliche Akzente zu setzen und so unser aller Leben zu bereichern“, so Daniel Hoernemann, künstlerischer Leiter der Initiative. „Über die Anerkennung unseres Vorhabens und die Förderung durch das Bundesministerium freuen wir uns sehr.“

Die vollständige Pressemitteilung lesen Sie hier.

Weitere Informationen unter:

LAND UND KULTUR GESTALTEN
www.land-und-kultur-gestalten.de
Telefon: 0162 707 60 81
E-Mail: team@land-und-kultur-gestalten.de

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Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (3/5)Buddha Shakyamuni Seated in Meditation (Dhyanamudra)

Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (3/5)

Dritter Teil unserer fünfteiligen Reihe. Den ersten Teil lesen Sie hier, den zweiten Teil hier.

Teil 3: Entscheidung und Selbsterkenntnis

Ein Nutzen künstlicher Intelligenz liegt darin, dass sie uns schon heute (und mehr noch in Zukunft) hilft, Entscheidungen zu treffen, oder uns ganz von ihnen entbindet. Das hört sich sinnvoll und verlockend an angesichts einer tatsächlich oder nur gefühlt zunehmenden Vielfalt an Möglichkeiten. Wie willkommen wäre uns eine simple App, die uns an die Hand nimmt, wenn wir auf der Suche nach gesunden Milchprodukten für die Kinder mit dem Kühlregal im Supermarkt konfrontiert werden? Warm, wärmer, Joghurt! Doch die Entwicklungen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz tendieren dazu, uns Entscheidungen immer größerer Tragweite abzunehmen. Welchen Fernseher kaufen wir, wo investieren wir, wie therapieren wir Krankheiten?

Die Erhöhung der Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz bringt viele Vorteile mit sich. Sie entscheidet schneller, oftmals auch besser als wir Menschen. Sie trägt in sich  aber auch das Risiko, dass wir uns mit essentiellen Themen weniger auseinandersetzen, dass wir weniger tiefgehende Analysen anstellen, reflektiertes Abwägen und auch das Ringen um Antworten einstellen, die zwingend genug sind, um zu einer guten, für uns bindenden, verpflichtenden Entscheidung zu gelangen. So verlieren wir Souveränität im Umgang mit den Dingen, berauben uns der Möglichkeit Selbsterkenntnis zu erlangen und Sinnhaftigkeit in unserem Handeln, in unserem Leben zu erfahren. An diesem Punkt kann dann auch ein noch so gut gemeintes „Search Inside Yourself“-Seminar nicht mehr helfen. Im Versuch, wieder ein Gefühl von Balance, Sicherheit und Sinn in unserem Handeln, in unserer Sicht der Welt entstehen zu lassen, begegnen sich heute viele Strömungen. Achtsamkeit zum Beispiel gehört inzwischen zum guten Ton in unseren Organisation. Gedacht wird sie allerdings nur als simplifiziertes Konzept, das herausgelöst aus einem größeren Zusammenhang bestenfalls kaschieren kann, woran es nach wie vor mangelt.

Im Künstlerischen lässt sich ein Weg zu mehr Sinnhaftigkeit erkennen, der in jedem von uns seit jeher angelegt ist und deswegen auch jedem von uns offen steht: Künstlerisch handelnde Menschen bringen zu jeder Zeit alles in ihre Arbeit ein: ihr Wissen und Können, ihr Gestaltungspotenzial und vor allen Dingen ihre Leidenschaft – eine Leidenschaft, zu der sie – und das mag überraschen – durch Reflexion gelangen. Reflexion bedeutet für den künstlerischen Menschen, zu analysieren und zu abstrahieren, sich frei zu machen von dem, was gewesen ist, sich davon zu distanzieren, was allgemein anerkannt ist, die eigene Perspektive zu verändern, Ideen zu generieren und im Austausch mit anderen weiterzuentwickeln und durch ständiges Hinterfragen sicherzustellen, sich niemals zu sicher zu sein. Dabei zielt alles darauf, sich zu fokussieren, zu einem besseren Verständnis zu gelangen, sich so einer Sache zu verpflichten, dass dadurch Entscheidungen nicht nur möglich, sondern zwingend werden.

Eine so verstandene und gelebte Reflexion beschränkt sich nicht nur auf die Urteilsbildung und Entscheidungsfindung mit Blick auf ein einzelnes Werk, sondern ist auch Ausgangspunkt für die Vermittlung zwischen Werk und Œu­v­re, Wert und Wirkung, Sinn und Sachlichkeit, Position und Transzendenz, Arbeit und Leben. Damit ist sie der Ort an dem sowohl die Sinnhaftigkeit, also der Bezug des Werkes zur Welt, als auch die Selbsterkenntnis, also die persönliche Beziehung zur Welt, verhandelt werden. So wird leicht nachvollziehbar, dass es riskant für den einzelnen Menschen, für Organisation und eine ganze Gesellschaft sein kann, diese Verhandlungen Algorithmen zu überlassen. Um die ethischen Belange künstlicher Intelligenz einschätzen, um uns Augenhöhe im Umgang mit ihr erhalten zu können, ist es essentiell, unterscheiden zu können, an welchen Stellen und in welcher Form sie nützlich sein kann und an welchen sie unsere Chancen auf Selbsterkenntnis einschränkt.

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Im vierten Teil unserer Serie berichten wir darüber, wie Automatisierung uns von lästigen Tätigkeiten befreit aber gleichzeitig unser Kreativität durch die Abschaffung wichtiger Routinen beeinträchtigt.  

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Dieses Essay basiert auf unseren Nachforschungen der letzten vier Jahre. Was unsere Erkenntnisse lebensnah und anwendbar macht, ist, dass wir bis heute weit über 100 Gespräche mit Künstlern aller Genres, aber auch mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern geführt haben. Ausführlich berichten wir darüber in unserem Buch „Creative Company“ (https://creativecompany.ageofartists.de).

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Bildquelle/Picture Source: Art Institute Chicago 

 

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Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (2/5)Curiosity Rover: Künstlerisches Concept des NASA Wissenschaftslabors für den Mars

Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (2/5)

Zweiter Teil unserer fünfteiligen Reihe. Den ersten Teil lesen Sie hier.

Teil 2: Effizienz und Vielfalt

Technologischer Fortschritt wird häufig mit Effizienzsteigerung gleichgesetzt. Maschinen zum Beispiel, zumal jene, denen man mehr und mehr eine gewisse Intelligenz zugesteht, können Dinge oftmals um ein Vielfaches effizienter erledigen als wir Menschen. Sie nehmen uns Aufgaben und Entscheidungen ab und verringern damit auch ganz beiläufig die Fülle persönlicher Erfahrungen. In der Arbeitswelt zeigt sich das in einer Spezialisierung, die es uns schwer macht, Anschluss an andere Bereiche zu finden oder Zusammenhänge herzustellen. In den sozialen Medien spricht man von Echokammern, die uns in unserer Sichtweise bestärken und Irritationen von uns fernhalten. Einen mehr oder weniger großen Teil unserer Erfahrungen kuratieren inzwischen Algorithmen in der Art eines Discover Weekly, wie wir es zum Beispiel von Spotify kennen. Das Streben nach Effizienz ist tief in uns verwurzelt und leicht nachvollziehbar. Warum Umwege in Kauf nehmen? Warum langsamer voranschreiten? Warum teurer produzieren?

Nimmt es überhand, eliminiert es das Verschwenderische in unserem Denken und die Vielfalt in unseren Erfahrungen. Das schwächt nicht nur unsere Intuition, die auf dieser Vielfalt beruht und die eine wesentliche Grundlage unserer Kreativität darstellt. Es reduziert außerdem unsere Chance auf glückliche Fügungen und lässt unsere Wahrnehmungsfähigkeiten verkümmern. Wir spüren, dass uns übermäßiges Effizienzstreben einschränkt, ohne diesem Streben etwas ernsthaft entgegensetzen zu können. Symptomatisch für diese Hilflosigkeit ist die Empfänglichkeit für Tipps, die die Abweichung von der Regel propagieren: Nimm jeden Tag einen anderen Weg zur Arbeit, wähle etwas zufällig aus der Speisekarte, frage in Meetings fünfmal Warum – alles nur ein Schatten künstlerischer Neugier und menschlicher Entdeckerfreude, die den Dingen auf den Grund gehen will und immer noch genug Reserven hat, Belangvolles am Wegesrand aufzusammeln.

Im Künstlerischen wird die Neugier nicht eingeschränkt, sondern gefördert. Die künstlerische Haltung ist von einer Neugier geprägt, die nicht immer effizient, sondern auch verschwenderisch ist, die Raum lässt für glückliche Fügungen, die keine schnellen Antworten liefert, bei der vielmehr eine Frage zur nächsten führt und die so Stück für Stück zu mehr Klarheit verhilft. Sie ist nie ziellos und doch immer ausschweifend. Auch wenn ein konkretes Thema verfolgt wird, ist potenziell alles andere interessant, auch wenn es nur entfernt oder gar nicht damit in Zusammenhang steht. Kurzum, die künstlerische Neugier beschreibt die grundsätzliche Bereitschaft unvoreingenommen wahrzunehmen, zu empfangen und zu lernen. Das Ergebnis eines solchen Strebens ist Vielfalt – eine Vielfalt an Fragen und Antworten, eine Vielfalt an Eindrücken, Erfahrungen und Einsichten, eine Vielfalt an Möglichkeiten – und letztendlich auch eine Vielfalt an Beziehungen, wenn man Neugier als das versteht, was der Künstler und Autor Johannes Stüttgen (wie er uns erzählte) darin sieht: „Meine Arbeitsweise zeichnet sich in besonderem Maße durch Neugierde aus, weil ich herausfinden möchte, was mein Gegenüber wirklich möchte und inwieweit sich das mit meinen Erfahrungen deckt. Im Grunde ist es ein Herstellen von Beziehungen.“ Gerade im Zusammenspiel von Mensch und Maschine wird es in Zukunft wichtiger werden, diese Vielfalt und dieses Herstellen von Beziehungen zu fördern. Organisationen, die dieses Zusammenspiel zu einem Vorteil gestalten wollen, müssen den Gewinn an Effizienz stärker dafür einzusetzen, in die Wahrnehmungsfähigkeiten ihrer Mitarbeiter und das organisatorische Sensorium zu investieren.

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Im dritten Teil unserer Serie denken wir darüber nach, wieso es hilfreich und problematisch zugleich ist, wenn Maschinen uns unsere Entscheidungen abnehmen.

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Dieses Essay basiert auf unseren Nachforschungen der letzten vier Jahre. Was unsere Erkenntnisse lebensnah und anwendbar macht, ist, dass wir bis heute weit über 100 Gespräche mit Künstlern aller Genres, aber auch mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern geführt haben. Ausführlich berichten wir darüber in unserem Buch „Creative Company“ (https://creativecompany.ageofartists.de).

Bildquelle: NASA/JPL-Caltech

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Der Widerspruch als Antrieb – Interview mit dem Pianisten Martin KohlstedtMartin Kohlstedt

Der Widerspruch als Antrieb – Interview mit dem Pianisten Martin Kohlstedt

Der Pianist Martin Kohlstedt ist Künstler und Unternehmer, Musiker und gleichzeitig Chef seines eigenen Labels mit über zehn Mitarbeitern. Absehbar war das nicht, denn er begann erst mit zwölf Jahren mit dem Klavierspiel. Mittlerweile hat der gebürtige Thüringer drei Soloalben veröffentlicht und tritt auf internationalen Festivals auf. Im Gespräch erzählt er uns wie es gelingen kann, die widersprüchliche Gleichzeitigkeit von künstlerischer Freiheit, musik-industrieller Notwendigkeit und geschäftlich-administrativen Belangen in einen stimmigen Gesamtzusammenhang zu setzen.

Der Künstler

Auf der Bühne experimentiert Martin Kohlstedt, lässt seine Stücke miteinander reagieren, löst sie auf und schafft so jedes Mal etwas Neues. “Meine Musik basiert auf einem sehr intuitiven Ansatz. Zu Beginn ist es mehr oder weniger ein Spielen aus einer Langeweile heraus, bis es dann zu einem Stück wird, das einem von ganz allein aus den Fingern läuft.” Bei dieser Aussage fällt es nicht schwer sich vorzustellen, wie der damals zwölfjährige zum ersten Mal auf dem verstimmten Klavier im elterlichen Wohnzimmer zu spielen begann. Heute ist für Martin Kohlstedt das Konzert, der Diskurs mit dem Publikum, der Reaktor dafür, dass Neues entstehen kann. “Ich kann mich nicht zu Hause hinsetzen und mir vornehmen, etwas Neues zu machen und daraus etwas zu entwickeln. Stattdessen nehme ich es mit in den Kontext Publikum, in dem auch diese Energie spürbar ist. Da gibt es dieses Gegenüber und diesen Resonanzkörper. Zu Hause ist der Zweifel zu stark. Das Publikum gibt einem aber eine sehr große Sicherheit. Ich merke dann auch, ob ein Stück gerade funktioniert oder nicht. Das Konzert ist die Hauptessenz meiner Arbeit. Live diskutiere ich eher. In dem Moment wo ein Publikum da ist, betrachte ich meine eigenen Stücke von oben und füttere sie elektronisch an, mache sie größer, kleiner, kaputt, vielleicht verstärke ich sie aber auch einfach. Es ist einfach ein komplett anderer Blickwinkel. Mein Live-Konzert ist sehr weit entfernt von dem Album. Und so entwickle ich meine Musik auf der Bühne permanent weiter und lasse sie fortwährend in Verhandlung, bis ich wieder neue Sachen herausarbeite, die ich dann irgendwann wieder auf einem Album aufnehme. Der Prozess findet umgekehrt statt. Das ist es, was mich von vielen anderen Künstlern unterscheidet. Es ist nicht so, dass ich ein Album mache, mit diesem Album auf Tour gehe und dann wieder ein Jahr lang neue Skizzen mache. Der eigentliche Prozess ist das, was ich live tue. Da ist der Diskurs, da ist das Chaos.”

Ein Chaos das für Martin Kohlstedt auch immer eine Suche nach dem Kreativpotenzial seines eigenen Unterbewusstseins ist. “Das Unterbewusste hat das Potenzial, ein Vokabular zu erschaffen”, ist er überzeugt. “Das fühlt sich nach einer höheren Instanz an als die eigene menschliche Entscheidungsfähigkeit, die Dinge in Formate, Längen oder Sets zu pressen. Man fängt an, seine Musik für Formate anzupassen. Das ist natürlich auch ein kreativer Prozess, aber das tatsächlich Künstlerische ist dieses Bohren, oder dieses Übersetzen der tiefsten Ängste. Darin sehe ich das größte künstlerische Potenzial. Man wird energisch, die Hände werden schweißnass und man hat das Gefühl, dass man da nicht weitermachen sollte. Man ist mit sich selbst in einer Welt, die manchmal auch nicht wohltuend ist.” Und doch sieht der Künstler für sich keinen anderen Weg. “Der echteste Moment ist der öffentlichste und ich glaube, dass ich in diesen 90 Minuten am meisten ich selbst bin. Das, was ich zu Hause mache – dieses Kalkulieren und Konstruieren – ist stets falsch.”

Der Produzent

Nach der Tour wird aus dem Pianisten der Produzent. Es beginnt ein Auswahlprozess und das was er als “bewussteres kreatives Arbeiten”, auch in Abgrenzung zu seinen Bühnenerlebnissen bezeichnet. “Das ist eine lange Zeit des Abwägens und Auswählens. Ich habe diese riesige Bank an Live-Mitschnitten von einem halben Jahr auf Tour. Dann beginne ich, mir diese ganzen Ansätze anzuhören, zu sammeln und erst einmal in Ordnung zu bringen, in Regale einzuordnen. Ich frage mich, was die Essenz dessen ist, was ich auf der Bühne versucht habe, zu improvisieren. Wenn mir da etwas gefällt, dann konzentriere ich es am Klavier auf den Ursprung zurück, und in dem Moment ist es meistens auch schon das neu gedachte Werk, das dann von meinem Kopf die Erlaubnis bekommt, jetzt selbst wachsen zu dürfen. Dann fange ich an, aufzunehmen, und das ist auch der Beginn dieses Label-Denkens. Ich merke, wie ich umschlage. Anhand des Live-Sounds, der Endaussage oder anderen Faktoren beurteile ich, ob ein Stück es auf das Album schafft. Diese Stücke werden dann weiterentwickelt. Man muss festlegen, welche Länge die richtige für das Album ist, wie viele Stücke auf das Album sollen, wann die Aussage getätigt ist. Da tritt der kreative Prozess in den Hintergrund, weil es darum geht Entscheidungen für ein Produkt zu treffen.” Ein Produkt, und dieser Sachverhalt macht seine Aufgabe nicht unbedingt einfacher, er selbst ist.

Der Unternehmer

So frei Martin Kohlstedt auf der Bühne agiert, so geradlinig und stringent verhält er sich wenn es darum geht sein Unternehmen zu führen, “weil die Überraschung mir die Freiheit wieder nehmen könnte, zumindest vom organisatorischen Aspekt her. Ich bin gern zuverlässig auf den Punkt vorbereitet, damit ich frei sein kann. Es fällt mir auch sehr schwer, Aufgaben abzugeben. Ganz gewisse Sachen halte ich sehr eng bei mir. Bei der Administration habe ich beinahe eine Kontrollsucht und in der Kunst lasse ich los. Es gibt eine starke Ambivalenz zwischen der Improvisation beim Auftritt selbst und der Organisation des Drumherums.” Unternehmertum für Martin Kohlstedt bedeutet ein stabiles Fundament zu schaffen auf dem sich der künstlerische Freiraum entfalten kann. “Freiheit ist für mich ein zentraler Begriff. Schließlich ist das auch einer der Gründe, warum man sein eigenes Unternehmen gründet. Das alles ist zwar immer noch eine Nische, aber das muss es auch, damit es weiterhin frei sein kann. Ich hätte vor zwei Jahren zu einem großen Label gehen können und dementsprechend hätte sich meine Attitüde entwickelt. Aber diese Freiheit ist es, wonach ich permanent strebe. Gleichzeitig unterliegt man aber im Gefängnis des Musikbusiness gewissen Strukturen. Aber der Freiheitsgedanke löst alles aus, die ganze Energie entspringt daraus.”

Dabei hilft es dem Unternehmer sehr, dass zu seinem Label 13 sehr enge, vertraute Menschen, “Freunde auf Augenhöhe”, gehören. “Ich will, dass es weiterhin genauso läuft. Und weil das so sperrig zu kommunizieren ist, kann ich niemanden damit beauftragen. Das heißt, dass ich ein Team brauche, das mich lange kennt, mit dem ich aufgewachsen bin. Eine eigene Familie,…” Die 13 Menschen sind das Team, sind die Unternehmung. “Wenn ein Release kommt, dann kümmern diese Menschen sich wirklich um das Album als Produkt. Auf einmal steht dann einfach eine andere Überschrift da, und PR-Agenturen brauchen genau das. Da bin ich einfach der Typ am Klavier und das Team sorgt dafür, dass sich das Album verkauft und dass ich Auftritte bekomme. […] Weil die emotionale Bindung höher gestellt ist als die wirtschaftliche, führt es dazu, dass ich zwischen diesen 13 Menschen vermitteln muss. Mein Job besteht hauptsächlich darin, permanent zu kommunizieren. Ich muss das Team halten.”

Ein Team formen, das Unternehmen leiten, die Bedingungen des Marktes anerkennen und im eigenen Handeln abbilden, künstlerisch Selbstwert und Selbstbewusstsein entwickeln, Gestaltungspotenzial entfalten, Entscheidungen treffen und Ängste überwinden – es ist eine ganze Menge was uns im Gespräch mit Martin Kohlstedt begegnet. Da tut es gut zu erfahren, dass sich auch sein Leben nicht als gerade Linie darstellt. “Auf der einen Seite will ich mir erlauben, die Dinge einfach walten zu lassen, merke dann aber doch, wie sich die linke Gehirnhälfte einschaltet und möchte doch wieder Kontrolle darüber gewinnen. Dieser Streit zwischen rechter und linker Gehirnhälfte ist meine Energiequelle. Deswegen ist der Widerspruch wahrscheinlich auch ein großer Antrieb, genau wie der Zweifel.” Das Ausbalancieren von Gegensätzlichkeiten, das Mäandern zwischen den Polen um seinem letztendlich unerreichbaren Freiheitsideal ein wenig näher zu kommen. “Das Streben nach der Freiheit ist zwar immer da, aber letztendlich findet man durch diese ganzen anderen Bedingungen auch hier einen Widerspruch. Das Ziel ist unerfüllbar.” Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nach Perfektion zu streben, obwohl die eigene Erfahrung lehrt, dass dies von Natur aus gar nicht möglich ist? Vielleicht ist dies auch eine der zentralen Erkenntnisse, die ein Konzert von Martin Kohlstedt für die Zuhörer zu einem ganz persönlichen Erlebnis und einer gemeinschaftlichen Zeremonie werden lässt.

Lesen Sie das vollständige Interview mit Martin Kohlstedt hier.

Interview: Katja Stenzel und Dirk Dobiéy, Blog: Dirk Dobiéy
Bild- und Videoquelle: Martin Kohlstedt, bzw. gemeinfrei

 

 

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