Jason Beechey ist professioneller Tänzer und Rektor der Palucca Hochschule für Tanz Dresden, einer renommierten Ausbildungsstätte für klassischen und zeitgenössischen Tanz die seit bald einhundert Jahren existiert. Dennoch verunsichert ihn das Wort Künstler, wenn er seine Berufung beschreibt: „Mein Name ist Jason, ich wurde geboren und meine Leidenschaft ist die Verbindung und die Möglichkeiten von Musik und körperlicher Bewegung zu erforschen und anderen Menschen dabei zu helfen ihre Potenziale zu erkennen. Ist das künstlerisch? Möglicherweise, aber es geht für mich mehr um das Entdecken, die Reise und den Prozess, sodass es wahrscheinlich eher wissenschaftlicher als künstlerischer Natur ist.“ Diese wissenschaftliche Reise ist Beechey’s Leben: „Ich befinde mich auf einer Reise, in einem Prozess. Ich begann als ausgebildeter Tänzer, dann gab es Momente auf der Bühne und dann Augenblicke wo ich unterrichtet habe, jetzt hier an der Palucca. Was mich wirklich begeistert, ist im Stande zu sein alle Puzzleteile zusammenzufügen, sodass andere damit ihre Reise beginnen können. Für mich sind das natürlicherweise aufeinander aufbauende Schritte aber sie schließen sich zu einem Kreis zusammen.“

Die Neugier physische Fähigkeiten zu erforschen

Für Becheey müssen zwei Dinge zusammenkommen, um professioneller Tänzer zu werden: Die physischen Fähigkeiten und die Neugier seine eigene Kreativität zu erforschen, um seine individuelle Position zu entwickeln. „Weil unser Profil auf Ballett, Improvisation und zeitgenössischem Tanz basiert, wird eine physische Eignung vorausgesetzt, um während der intensiven Ausbildung nicht verletzt zu werden. Damit die Mädchen auf Zehenspitze gehen können, benötigen sie ein gewisses Maß an Flexibilität in den Füßen und im Knöchel; sonst gelingt es nicht auf Zehenspitzen zu gehen. Folglich muss auf diese physischen Fähigkeiten geachtet werden, ansonsten empfiehlt man einen Weg, der nicht zu einem passt. Das wäre unfair. Aber dann verbringen wir viel Zeit mit ihnen, wenn sie jung sind, um zu sehen, wie neugierig sie sind. Wir können niemandem beibringen kreativ oder besonders neugierig zu sein, aber wir müssen den Raum geben es selbst heraus zu finden. Wir können ihnen Ideen geben: ‚Da ist dieser erstaunliche Musiker und wenn er spielt, wie reagierst du darauf? Wie bringst du das in der Bewegung rüber?’. Überall in unserem Studio sind Fenster, die Transparenz schaffen, sodass ein tobender Wintersturm oder heller Sonnenschein die Qualität der Bewegungsabläufe beeinflusst. Wir können zwar anregen, aber es geht darum Menschen zu entzünden, damit sie ihre eigenen Ideen entdecken.”

In seinen Ausbildungsansatz folgt Beechey dem Weg der Gründerin Gret Palucca, die vor fast einem Jahrhundert meinte, dass „jeder tanzen kann.“ Für Becheey verfügt jede Person über ihren ganz eigenen Tanz. Es muss nur zugelassen werden, dass sich dieser entwickeln kann. „Ich glaube die Leute haben ihren eigenen Rhythmus, ihren eigenen Herzschlag, ihre eigenen Gedanken und Ideen.“

Sichere Umgebung

Um jenen Ideen die Entstehung zu ermöglichen, muss eine besondere Umgebung geschaffen werden. „Eine geordnete und sichere Umgebung in der die Menschen fühlen und wissen, dass sie sicher sind um Risiken eingehen zu können. Wir haben kleine Klassen. Wenn wir mehr Menschen in einem Raum hätten, würden sie beginnen einander zu hassen. Sie müssen sich sicher fühlen, sodass sie ihr Gleichgewicht und ihre Grenzen austesten können, um Risiken einzugehen ohne etwas Unverantwortliches zu tun, bei dem sich jemand verletzen könnte. Es ist ein Balanceakt. Wir ermutigen und versuchen die Improvisationsfähigkeit zu verbessern.” Als Tänzer glaubt Beechey nicht daran, dass Menschen unter Druck und Angst die besten Ergebnisse abliefern. „Ich glaube, dass Sie Menschen dazu anhalten müssen sich darüber bewusst zu werden, wer sie wirklich sind. Menschen muss die Chance gegeben werden Verantwortung zu übernehmen und autonom zu agieren, weil man das [Gegenteil] in der Furcht erkennt. Die Aufführungen, die mich begeistern, sind diejenigen, wenn ich Tänzer auf der Bühne sehe die mitdenken, sich bewusst wahrnehmen, obenauf und proaktiv sind. Die Aufführungen hingegen, wo alle verzweifelt versuchen in der Reihe zu bleiben, sich wie kleine Kinder verhalten oder unreif sind inspirieren mich nicht.“

Jason Beechey

Führung: Die Fähigkeit zu organisieren

Um inspirierende Aufführungen zu ermöglichen, verfolgt Beechey einen Führungsstil, der dem Klischee von strenger Hierarchie und schlechtem Charakter nicht entspricht, dass viele Menschen im Kopf haben, wenn sie an Tanz auf hohem Niveau denken: „Wenn ich mich als Führungskraft beschreibe, dann bin ich jemand der geduldig ist. Ich bin sehr diplomatisch. Ich habe klare Vorstellungen aber ich arbeite auch gerne mit einem Team kompetenter Menschen, die meine Ideen, Ziele und Vorstellungen teilen. Dennoch möchte ich Leute haben, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen und ihren Kopf herausstecken, um Vorschläge zu machen. Mein Führungsstil verunsichert einige Menschen, weil es für sie einfacher ist einem Diktator zu folgen der ‚Mund halten’ sagt oder ‚Mach dies und mach das’. Aber das erzeugt keine kreative Atmosphäre und daher bevorzuge ich eine Politik der offenen Tür. Als Führungskraft versuche ich so zugänglich wie möglich zu sein. Ich versuche jede Person mit so viel Rücksicht und Respekt zu behandeln, wie ich nur kann. Ich glaube es war schon immer mein Traum eine Schule zu leiten. […] Das war immer mein Traum, aber nicht wegen der Macht, die mit einer Führungsposition einhergeht, sondern weil ich immer das Gefühl hatte über die richtigen Fähigkeiten zum Organisieren zu verfügen.“

Unbewusste Momente und glückliche Fügung

Für Beechey sind ein sicheres Umfeld und ein unterstützender Führungsstil Schlüsselkriterien zur Gestaltung inspirierender Darstellungen, aber es gibt zwei weitere vielversprechende Kriterien, die er uns während unseres Gespräches offenbart: Platz für Unbewusstes und Raum für Unerwartetes. „Wenn ich an mich denke, dann kamen mir die besten Ideen im Schlaf. Du wachst morgens auf und denkst dir: ‚Das ist es! Wir müssen das sofort ausprobieren!’ Du duschst dich und ein Licht geht an.” Allerdings funktioniert dieses Rezept nicht immer für Beechey, genauso wenig wie für den Rest von uns: “Wenn Ideen in diesen unbewussten Momenten zu mir kommen, ich aber Stunden benötige um sie durchzuplanen, dann gehören sie nicht zu meinen besten Ideen.“

Einen Raum für das Unerwartete zu schaffen, bedeutet für Jason Beechey nicht, dass es kein übergeordnetes Konzept gibt. „Du musst dein ‚Fil Conducteur’ [Französischer Ausdruck, der sich auf einen zentralen Gedanken bezieht] finden, um zu wissen, wo du hin willst. Aber jeden einzelnen Schritt zu planen, macht es langweilig!“ Solange die Sehnsucht da ist, wird kein detaillierter Plan benötigt. Nur so kann Neues zutage treten. „Ich denke, dass man Raum schaffen muss, damit diese neuen Ideen für sich alleine stehen können. Das war etwas, das mich immer fasziniert hat. Die Herausforderung besteht darin etwas aus dem nichts zu formen.“

Ich hatte nie das Gefühl zu arbeiten!

Selbstverständlich ist ein bewegtes Leben im Tanz „mit einer Menge Arbeit verbunden. Es ist ein ständiges Schieben und Drücken, Probieren, Herausfordern und Hinterfragen. Aber wenn du deine Leidenschaft lebst, dann ist es keine Arbeit. Das macht mich sehr glücklich. […] Ich hatte noch nie das Gefühl gehabt, dass ich arbeite! Ich bin einfach nur meiner Leidenschaft nachgegangen, weil ein Leben ohne zu tanzen für mich unvorstellbar ist!

Lesen Sie das vollständige Interview hier (Nur auf Englisch verfügbar)

Bildquelle: Ida Senna via Palucca University of Dance Dresden

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