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Party, Kunst und Kommunikation – Der Geiger Michael Spencer über eine etwas andere Bedeutung von MusikMichael Spencer in Aktion

Party, Kunst und Kommunikation – Der Geiger Michael Spencer über eine etwas andere Bedeutung von Musik

Michael Spencer war 14 Jahre Mitglied des Londoner Symphonieorchesters, bevor er sich entschied seine professionelle Laufbahn auf und mit der Violine gegen eine Stelle als Ausbildungsleiter des königlichen Opernhauses in der britischen Hauptstadt einzutauschen, und in dieser Rolle Kindern die Kunst, beziehungsweise die Potenziale künstlerischer Prozesse, näher zu bringen. Als Coach und Berater macht er bis heute im Grunde nichts Anderes, nur dass er seine Erfahrungen zwischenzeitlich vor allem mit Erwachsenen in Organisationen teilt und dabei eine große Nähe zu Japan und den Menschen dort entwickelt hat.

Von der Party in die Krise

Die ersten sieben Jahre als Musiker des Londoner Symphonieorchesters „fühlten sich großartig an, wie eine große Party. Eine fantastische Erfahrung“, erzählt Michael Spencer und ergänzt gleichzeitig: „Das Leben in einem Orchester war sehr einnehmend und brachte einen weg vom wirklichen Leben, auf viele verschiedene Weisen. Doch nach einer Weile, als die Jahre sich replizierten, begann ich mich zu fragen, ob das wirklich das Leben war das ich wollte. Es war immer das gleiche, die Wahrscheinlichkeit auf Veränderungen und von Neuem war gering,“ stellte er für sich fest. Er realisierte zunehmend, dass ihn sein Beruf immer unzufriedener machte. „Was hinter den Kulissen passiert ist nicht schön – die Sache mit dem ‚Messer in den Rücken’ etc. Es gab vor ein paar Jahren eine Studie der Federation of Entertainment Unions, ‚Gestalten ohne Konflikt’, die ungefähr 4000 Menschen in der kreativen Branche befragt hatte. Es zeigte sich, dass fast 75% der Musiker bereits Mobbing auf der Arbeit erfahren hatten. Eine recht traurige Erkenntnis, wenn man das über eine Organisation sagt die als kreativ gilt.“ Wie aber konnte der Ausweg aussehen für einen Musiker an einem der renommiertesten Orchester weltweit?

Von der Krise zur Kunst

Just zu diesem Zeitpunkt ergab sich für Spencer die Möglichkeit, als Musikpädagoge aktiv zu werden. Er startete zunächst eigenständige Projekte und wurde schließlich Ausbildungsleiter am königlichen Opernhaus. „Wir untersuchten wie wir Kinder besser einbinden könnten und das bedeutete im Wesentlichen ihre Neugier zu stimulieren.  Kurz gesagt taten wir das durch die Entwicklung einer Methode, bei der wir ihnen die Kreation eigener Musik erleichterten. Aber wir grenzten das insofern ein, als dass den Kindern als Basis die verschiedenen Blöcke dienten, aus denen ein ausgewähltes Musikstück bestand. Auf diese Weise standen die Kinder den gleichen Herausforderungen gegenüber, vor denen auch der Komponist stand.“ Ein anderes Projekt zeigt die Herausforderungen, vor denen die Künstler im Umgang mit Kindern standen: „Jeden Sommer wählten wir zwölf Kinder mit Asperger-Syndrom aus, um mit ihnen sehr intensiv in einem multimedia-basiertem, sozialen Kontext zu arbeiten. Bevor das Projekt startete haben wir Spezialisten eingeladen, um die teilnehmenden Künstler über die Realität von Autisten aufzuklären und speziell in der Rolle als Erzieher zu schulen. Dabei ging es darum, wie man künstlerische Fähigkeiten mit Musikerziehungs-Methodik und mit guten Moderationspraktiken verbindet. Das Arbeiten mit Kindern erschafft eine unglaublich dynamische Situation und du musst wissen, wie du mit den unterschiedlichen Rahmenbedingungen umgehst.“

Von der Kunst zur Kommunikation

„Die Idee, Kunst in das Geschäftsumfeld zu transferieren, hat für mich eine Schwäche, nämlich die, zu naiv zu sein. Sätze wie: ‚Oh, lass uns Musiker involvieren. Die wissen wie man einander zuhört und zusammenarbeitet!‘ Da ist ein ‚Ja’ zu dieser Aussage, aber auch ein großes ‚Nein’. Es ist ein zu einfacher Ansatz, der irgendwie die Erfahrungen trivialisiert und in einen mystischen Schleier hüllt für die Menschen, die oft verschiedene Geschmäcker und Wissensstände haben. Es liegt eine ganze Welt des Unterschiedes zwischen dem, was wir für das Zuhören halten, und welche Rolle es im Gefüge der Kommunikation spielt. Die Musik ist für mich eine Form von sozialer Technologie, die uns beim Fördern und Erhalten von menschlichen Beziehungen hilft. Das erste Mal kam ich auf einem Kreativitätsprogramm für potentielle Führungskräfte damit in Berührung. Ich arbeitete mit einer Auswahl verschiedener Geschäftsleute und bat sie, über ein Musikstück ihrer Wahl zu reden. Es war faszinierend zu sehen, wie alle auf die gleiche Art und Weise über ihr Lieblingsstück redeten, nämlich emotional. Es ist wundervoll das zu tun, aber wenn du nur von einem emotionalen Standpunkt aus über ein Musikstück sprichst, dann ist es für die anderen schwierig, die Musik auf die gleiche Weise zu empfinden, denn dein Standpunkt entstammt deinen eigenen intimen und persönlichen Erfahrungen. Andere Menschen haben andere Gefühle. Wenn du aber Musik von der Perspektive eines Prozesses betrachtest, fügt es eine neue Dimension hinzu: Wie arbeiten die Teile zusammen? Was sind die fundamentalen Elemente? Wie ist die Struktur? Wie bewahren die Musiker eine unausgesprochene Verhandlungssituation? Es ist eine völlig andere Methode für die Bewertung dieser Erfahrung. Immer wenn ich mit Gruppen arbeite bringen wir diese Essenz zum Ausdruck, in dem wir ‚etwas aufbauen’. Aber um das tun zu können musst du erst einen Eindruck und ein Gefühl für die Materialien bekommen, mit denen du arbeitest, und wie du sie benutzen kannst um etwas Fesselndes zu schaffen.“

Bei seinen zahlreichen Aufenthalten in Japan hat Michael Spencer für sich erkannt, dass Kunst die außergewöhnliche Eigenschaft besitzt, ähnlich einer Linse kulturelle Unterschiede besser erkennbar zu machen. „Was ist der Hauptgrund für die Existenz von Musik? Welchem Zweck dient sie in verschiedenen sozialen Gruppierungen? Wo liegen die Unterschiede und was sind Gemeinsamkeiten? Die Geschichte der Musik dient grundlegend dem Erschaffen und Unterstützen der Identität einer unabhängigen sozialen und kulturellen Gruppe.“ Dabei möchte Spencer die Musik gleichzeitig als Katalysator nutzen zur Entscheidungsunterstützung, zum Wecken von Neugier und um Verpflichtungen einzugehen und soziale Beziehungen zu stärken. „Und um es allgemein zu sagen, ich denke Kunst hat aktuell ein riesiges Potential, denn inmitten einer massiven technologischen Weiterentwicklung können wir die Werte vom Eröffnen authentischer Mensch-zu-Mensch Kommunikation und aufrichtigen Beziehungen wiederbeleben. Alle sprechen über die neuen Kommunikationstechnologien und wie sie uns besser miteinander verbinden. Ich würde dem widersprechen – sie tun es nicht. Es verwirrt die Menschen in höchstem Maße. Sie wurden bereits manipuliert und als ein Mittel zum Spalten der Menschen und zum Säen von Zwietracht eingesetzt.“ Deshalb spielt auch das Schärfen und Kultivieren eines verbesserten Urteilsvermögens eine Kernrolle in Spencers Arbeit. Ähnlich wie bei der Arbeit als Musiker in einem Orchester, so münden auch Spencers Workshops stets in einer Aufführung. Dabei müsse man auch die Prozesse verstehen, die das Fundament der Aufführung bilden. „Wir stellen zwar die Komponenten zur Verfügung, aber sie (die Teilnehmer) treffen die Entscheidungen. Die Aufführung ist Teil des Endproduktes, doch von der gleichen Bedeutung wie das Schaffen und das Proben des Stückes. Neben Neugier, dem Treffen von Entscheidungen und zwischenmenschlichen Beziehungen, die bei diesem Prozess geweckt und verbessert werden sollen, kommen durch das Eingehen von Risiken auch Elemente wie Vertrauen und Entscheidungsfreiheit mit ins Spiel. Die Menschen sehen eine Orchesteraufführung selten als Prozess, doch genau dort passieren Dinge auf vielen verschiedenen Ebenen. Ist das Orchester einmal ins Rollen gekommen, dann ist der Dirigent oft nicht mehr in der Lage, dagegen zu arbeiten und dem Orchester einen anderen Kurs aufzuzwingen.“ (Lacht).

Lesen Sie das vollständige Interview hier.

Interview: Marija Skobe-Pilley and Dirk Dobiéy,
Transcription:Benjamin Stromberg
Blog: Lucas Heinke
Editing: Stephanie Barnes

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Vertrauen ist der Schlüssel zu guter Führung – Der Dirigent Lubnan Baalbaki über das Lernen, das Leben und LeadershipLubnan Baalbaki

Vertrauen ist der Schlüssel zu guter Führung – Der Dirigent Lubnan Baalbaki über das Lernen, das Leben und Leadership

“Ich dachte niemals darüber nach etwas anderes als Musik zu machen”. Der diese leidenschaftliche Aussage über seine Passion trifft ist Lubnan Baalbaki. Aufgewachsen in einem künstlerischen Umfeld im Libanon begann er seine Laufbahn mit dem Studium der Violine am nationalen Konservatorium, bevor er an der dortigen Saint-Esprit Universität Musikwissenschaften studierte, mit dem Ziel Dirigent zu werden.

Die Möglichkeit sein Ziel zu erreichen ergab sich, als er nach Rumänien reiste und den Maestro Petre Sbârcea traf, der sein erster Lehrer und Mentor wurde. “Jeder fragte mich ‘Wieso hast du Rumänien gewählt?’ und ich habe immer geantwortet ‘Ich habe es nicht ausgewählt, es hat mich ausgewählt’ (…) Ich weiss nicht ob wir an Schicksal glauben können… Aber ich glaube es war mein Weg es anzugehen. I denke es war der beste Weg, weil er ein fantastischer Lehrer ist und kolossale Erfahrungen in diesem Fach hat.”

Selbstbewusst im Bezug auf seine Stärken und Leistungen betrachtet der Dirigent sein Leben auch in Demut, und sieht Erfahrungen immer als Möglichkeiten zu lernen. “Unterschiedliche Erfahrungen bedeuten Reichtum für jeden Künstler.” Und dies obwohl sie “manchmal keine wirkliche direkte Auswirkungen auf dein Leben haben”. Sie ermöglichen die Formung und Veränderung der eigenen Perspektive. “Es ist wie wenn man zur Schule geht und Mathematik lernt und sich manchmal fragt ‘warum lerne ich so viel Mathe, ich werde es nie im Leben benutzen!’, aber nein, du nutzt es: deine Art zu denken verändert sich.”

So kommt es auch, dass Baalbakis Begegnungen mit bekannten Dirigenten, beispielsweise Kurt Masur, so häufig Augenöffner für ihn waren weil er eine völlig andere Form des Dirigierens erleben konnte. „Es war eine wesentliche Erkenntnis in meinem Leben, zu sehen, wie Kurt Masur rein gar nichts tat und es sich wie eine Musikoffenbarung anhörte. Er vertraute seinen Musikern und führte sie lediglich von Zeit zu Zeit in einigen Kernbereichen. Und gleichzeitig war die Musik erfüllt von seiner Präsenz und seinem Wissen. Sie (die Musiker) vertrauten ihm ebenfalls.” Nicht zuletzt dieses Erlebnis brachte Baalbaki dazu, das gegenseitige Vertrauen in den Mittelpunkt seiner Orchesterarbeit zu stellen: “Das ist der Schlüssel zu guter Führung: Wie man vertrauenswürdig wird und den Menschen vertraut, die für einen arbeiten.” (…) „Ich vertraue Musikern. Ich glaube, dass jeder von ihnen seine eigene Intuition und seine eigene Vision von Musik hat. Er ist ein Musiker und er kann eine aufrichtige Intuition zu einem Klang haben. Genau deshalb lasse ich sie auch mitwirken. Oft bitte ich das Orchester, spielt eure eigene Interpretation und euer eigenes Gefühl, weil ich sehen will, was sie haben. Es bin nicht nur ich, der Ideen hat. Manchmal habe ich eine Vorstellung von einer Idee und sie machen daraus für mich die Realität. Es ist ein Teil von Führung: Vertraue deinem Team. Letztendlich machen sie die ganze Arbeit. Wenn man mit der Überzeugung daran geht, dass sie es meistern können, dann lass sie es auch machen! Lass sie versuchen, es großartig zu machen. Manchmal weist man nur den Weg, aber eigentlich sind sie es, die den Weg gehen. Sie machen es.”

Vertrauen in andere ist wichtig. Aber dies entbindet Baalbaki nicht von der Verantwortung, beispielsweise sich akribisch vorzubereiten lange bevor er zum ersten Mal auf das Orchester trifft. Baalbaki nutzt seine Vorbereitung, um eine Vorstellung des Stücks oder auch ein Bekenntnis zum Stück zu entwickeln. Wenn aber die Arbeit mit dem Orchester gelingt, wird seine Vorstellung vom tatsächlichen Ergebnis übertroffen.  „Ich glaube, dass es eine einzig wahre Version dessen gibt, was ein Orchester gemeinsam mit einem Dirigenten aus einem Stück machen kann. Wenn man die ganze Woche an der gleichen Symphonie arbeitet, gibt es letztendlich eine wahre Version, die es sein wird und die ich für das Konzert aufbewahren möchte. Deshalb arbeite ich bei Proben immer sehr praktisch und pragmatisch. Auf dem Konzert lasse ich sie und mich, der Musik von unseren unterschiedlichen Standpunkten aus dienen.” Besser lässt sich ein moderner Führungsansatz vielleicht nicht beschreiben. Ein Ansatz der auch über das Selbst hinausgeht um dem Werk zu dienen. „Musik drückt sich selbst aus. Wir Musiker dienen bloß der Musik. (…) Wir dienen der Musik und wir versuchen, das so loyal wie möglich zu machen – loyal gegenüber dem Komponisten und der Musik, die geschrieben wurde. Ich denke manchmal schreibt ein Komponist Dinge auf, die er sich vorher nicht vorstellen konnte. Es ist das Gleiche beim Dirigenten. Manchmal mache ich Dinge auf der Bühne, die ich mir nie hätte vorstellen können. Es ist jedes Mal eine unterschiedliche Erfahrung, aber es geht immer darum, der Musik so loyal wie möglich zu dienen.”

Lesen Sie das vollständige Interview (Englisch).

 

Interview: Dirk Dobiéy, Transkription und Blog: Thomas Castéran und Dirk Dobiéy

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Age of Artists – Unser Jahr im RückblickVerena Wald Der künstlerische Prozess (Ausschnitt)

Age of Artists – Unser Jahr im Rückblick

Dieses Jahr haben zum ersten Mal über zehn Mitglieder unseres Netzwerkes in Projekten und bei Veranstaltungen in ganz unterschiedlichen Kontexten mitgestaltet. Zum Beispiel bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, den IT-Unternehmen Comparex und Incadea, dem Verband deutscher Wirtschaftsingenieure und der Deutschen Bahn. 

Wir waren vertreten in einer Veröffentlichung des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft mit Beiträgen zur kulturellen Bildung und im Werte-Index mit einem Interview. Der Werte-Index kartographiert den Werte-Kosmos von Internetnutzern und zeigt, wie häufig und in welchem Kontext diese grundlegende Werte unserer Gesellschaft besprechen. Die Künstlerin Verena Wald hat dieses Jahr unsere Erkenntnisse in über 100 Interviews künstlerisch in einer Serie von Radierungen umgesetzt. Das Titelbild dieses Blogs zeigt den Ausschnitt einer Radierung –  dazu mehr nächstes Jahr. 

Unsere Webseite gibt es nun auch in deutscher Sprache. Dort haben wir, genauso wie in den vergangenen Jahren auch, wieder zahlreiche Interviews mit Künstlern, Forschern und anderen interessanten Persönlichkeiten veröffentlicht.

So waren wir in der Zeitkapsel mit der Musikerin SAFI. Wir haben von der Tänzerin Lucija Mikas etwas erfahren über Empathie durch Bewegung. Über Bewegung lernten wir auch etwas von Wolf Jeschonnek, dem Gründer des  FabLabs in Berlin. Er ist überzeugt davon, dass man seine Nische verlassen muss um gute Lösungen zu finden. Wie man das als Künstlerin macht, haben wir von der Malerin Sharon Molloy erfahren, von ihrem Kollegen Sebastian Heiner wie man aus sich selbst heraus handelt und von dem Graffiti-Künstler Bomber One, Helge Steinmann, wie man der Welt etwas hinzufügt

Der Autor Michael Atavar ist überzeugt, dass das Unterbewusstsein die eigentliche Quelle der Kreativität ist, und der Komponist Ludger Brümmer hat uns erzählt, dass dem Kreativen immer der Moment der Überraschung anhaftet. Damit ist er ganz nahe an den Erkenntnissen des Wissenschaftshistorikers Hans-Jörg Rheinberger, der über die Natur des Experiments zu uns sprach.

Zum ersten Mal unterhielten wir uns in diesem Jahr mit Künstlern in China. Zhang Wei berichtete uns darüber, dass sich Künstler ausdrücken müssen und

Dai Chenlian erklärte uns, dass die Kunst ihm einen Grund gab zu leben. Dass die Kunst Grund sein kann, aber nicht bedingungslos ist hat, uns Robert D. Austin, Forscher und Professor für Innovation und Informationstechnologie an der Ivey Business School in Kanada berichtet, denn für ihn lebt ein Künstler in dieser Welt wie jeder andere. Eine Welt in der der Informationsgehalt zunimmt, aber unser Wortschatz verharrt. Das sagte  uns im Künstler, Autor und Beuys-Schüler Johannes Stüttgen im Gespräch.

Darüber hinaus haben wir ein weiteres Forschungsprojekt begonnen, bei dem es darum geht, Unternehmen kennen zu lernen, die nach unserem Verständnis Meisterwerke sind, die sich also auszeichnen durch Vielfalt, Sinnhaftigkeit, Freiraum und Beweglichkeit. Beispielsweise waren wir bei Sonnentor, Otto, Beurer, Vaude und Zotter, um nur einige der vielleicht bekannteren zu nennen. Dass diese Unternehmen, die wir trafen, genauso wie die nicht ganz so großen und bekannten, bei denen wir waren, heute bereits Dinge anders besser machen, darüber berichten wir unter anderem im kommenden Jahr.

 

 

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Begeisterung und Bedeutung: Was Tulpen und Kryptowährungen verbindetJan Brueghel d.J. Allegorie der Tulpomanie 2. Viertel 17. Jahrhundert.

Begeisterung und Bedeutung: Was Tulpen und Kryptowährungen verbindet

Jan Brueghel der Ältere, Spross einer bekannten flämischen Malerdynastie, war zu seiner Zeit gut im Geschäft. Mit Peter Paul Rubens auf Augenhöhe – die beiden arbeiteten bisweilen gemeinsam an Gemälden – gehörte Blumenbruehgel, wie er auch genannt wurde, man ahnt weshalb, zu den führenden Malern des Übergangs vom 16. in das 17. Jahrhundert. Doch warum sollte uns das interessieren? Stillleben, zumal jener Zeit, stehen nicht gerade im Zentrum des Kunstinteresses der Gegenwart. Man begegnet ihnen eher unbeabsichtigt, im Museum vielleicht, weil man auf dem Weg zur klassischen Moderne falsch abgebogen ist. Falls Ihnen ein solches Missgeschick widerfährt, werden Sie feststellen, dass man damals besonders häufig Tulpen malte. Und das hatte einen guten Grund.

Jan Philips van Thielen – Rosen und Tulpe in einer Glasvase

Anfang des 17. Jahrhunderts kam es zur ersten gut dokumentierten Spekulationsblase in der Geschichte der Menschheit. Spekuliert wurde damals nicht etwa mit Gewürzen, Immobilien oder anderen Werten, sondern mit Tulpenzwiebeln. Gerade einmal zehn Tulpenzwiebeln hatten in den Niederlanden einen Wert, der dem entsprach, was eine vierköpfige Familie für ein halbes Leben benötigte. Bis dann, wie es bei Blasen üblich ist, das Ganze für die meisten überraschend platzte. Jan Brueghel der Ältere erlebte das nicht mehr, dafür aber sein Sohn, der nicht nur den Namen, sondern, wie es sich damals gehörte, auch die Familientradition fortführte. Bekannt wurde Jan Brueghel der Jüngere auch für sein Gemälde Allegorie der Tulipomanie, ein satirisches Werk aus den 1640er Jahren, das die Tulpenkrise behandelt und Affen, wie in der Renaissance damals gebräuchlich, als Sinnbild menschlicher Gier und Dummheit zeigt.

Vincent van Gogh – Blumenbeete in Holland

Die Gartenbaukunst galt zu jener Zeit als sittsame und geschätzte Beschäftigung der oberen Zehntausend. Und die Tulpe, damals eine exotische und begehrenswerte Blume aus den fernen Ländern des Ostens, galt als größte Zierde ihrer Gärten. Die ersten Züchter, die sich in Europa mit der Pflanze beschäftigten, kannten sich häufig persönlich. Sie unterstützten sich, teilten ihr Wissen und tauschten Blumenzwiebeln, auch über Ländergrenzen hinweg. Erst als das Netzwerk größer wurde, kam man auf die Idee, Tulpenzwiebeln geldwert zu tauschen. Das Netzwerk wuchs und wurde dabei immer fragiler. Das zunehmende Interesse an den Tulpen erklärt sich auch aus einer Überkapitalisierung weiter Teile der Bevölkerung. Im reichsten Land Europas hatten damals zu viele Leute schlicht und einfach zu viel Geld übrig. Paradoxerweise wurden Zwiebeln, die von einem Virus befallen waren (was man damals noch natürlich nicht wusste), besonders hoch gehandelt, denn ihre Blüten wiesen ganz besondere Zeichnungen auf, die als so chic galten, dass sich der Wert einzelner Zwiebeln zum Höhepunkt der Entwicklungen an nur einem Tag plötzlich verzehnfachen konnte. Schließlich wurden Tulpenzwiebeln sogar wie Bargeld genutzt. Anfang der dreißiger Jahre des 17. Jahrhunderts konnte man ein Stadthaus in Amsterdam mit fünf Blumenzwiebeln bezahlen, aber nur wenn das Haus entsprechend repräsentativ war. Als die Euphorie breite Bevölkerungsschichten erreichte, verlief der Hype kurzzeitig noch rasanter, um dann im Winter 1636/37 ohne Vorwarnung in sich zusammenzubrechen. Viele Menschen verloren unglaublich viel Geld. Der Streit um die entstanden Schulden hielt das Land noch viele Jahre in Atem.

Nun kann man diese Geschichte (wer sich dafür interessiert, wird in Mike Dashs Tulipomania fündig) mit Blick auf jüngere Ereignisse im Zusammenhang mit Kryptowährungen als eine Art Mahnung oder Lehrstück verstehen – und einige haben das ja auch schon ausgiebig getan. Doch in ihr gibt es mehr zu entdecken.

Claude Monet – Tulpenfelder in Holland

So ist es doch erstaunlich, dass man in den Niederlanden das Interesse an Blumen nicht verloren hat, nicht in der Kunst und auch nicht in der Wirtschaft. Die Tulpe ist bis heute ein Exportschlager, die Felder voller Blumen soweit das Auge reicht – weltberühmt auch weil Vincent Van Gogh oder Claude Monet ihnen nicht widerstehen konnten.

Franzconde. Tulpenfelder in  Zuidschermer

Eine Lektion, die man aus dieser Geschichte (aber zum Beispiel auch aus den frühen Tagen des Internets) also ebenfalls lernen könnte, ist, dass es nach anfänglicher Begeisterung der Zäsur bedarf, damit etwas wirklich Bedeutungsvolles entstehen kann.

Nicht ganz ernst gemeint: Wenn die Mahner recht behalten sollten, so haben wir errechnet, müsste der Absturz des Bitcoins, bzw. des Krypto-Hypes im Februar 2018 erfolgen

So wie die Chancen gut stehen, dass der Hype um die Kryptowährungen ein jähes, wenn auch nur vorläufiges, Ende findet, so stehen die Chancen dieses Mal ebenfalls gut, dass uns in naher Zukunft eine Renaissance des Stilllebens bevorsteht – sie gelten als Symbol der Vergänglichkeit.

Ergänzung 21.12.2017. Gestern schrieb die FAZ etwas ganz ähnliches zum Thema.

Komplette Offenlegung: Der Autor besitzt Tulpenzwiebeln und Stillleben mit Tulpen.

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Blogpost: Dirk Dobiéy. Übersetzung: Vivian Kolster, Stephanie Barnes.

Bildquellen:
Markus Spike – Red tulips opening in the morning. Quelle: Unsplash
Jan Philips van Thielen, Roses and a Tulip in a Glass Vase, Quelle: NGA.gov
Allegorie der Tulpomanie, Gemälde von Jan Brueghel d.J., 2. Viertel 17. Jahrhundert. Quelle Wikimedia Commons
Vincent van Gogh – Flower Beds in Holland, 1883, Quelle: NGA.gov
Claude Monet. Tulpenfelder in Holland. 1886. Musée d’Orsay. Quelle: Wikimedia Commons
Franzconde, Tulip fields in Zuidschermer, North Holland, The Netherlands. Quelle: Wikimedia Commons

 

 

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Der Informationsgehalt der Welt nimmt zu, aber unser Wortschatz verharrt – Gespräch mit dem Künstler und Autor Johannes StüttgenJohannes Stüttgen

Der Informationsgehalt der Welt nimmt zu, aber unser Wortschatz verharrt – Gespräch mit dem Künstler und Autor Johannes Stüttgen

Der Künstler und Autor Johannes Stüttgen studierte an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Joseph Beuys, der ihn 1971 zum Meisterschüler ernannte. „Er war es auch, der mein Interesse an dem künstlerischen Begriff weckte“, so Johannes Stüttgen im Gespräch. Und sogleich überbrückt er mit Leichtigkeit die Jahrzehnte, die seitdem vergangen sind. „Im Grunde streben Sie (Age of Artists) nach etwas Ähnlichem. Sie suchen nicht nach den einzelnen künstlerischen Besonderheiten, sondern dem übergeordneten künstlerischen Begriff.“ Mit dem erweiterten Kunstbegriff, der kreatives Handeln aus der Kunst herauslöste und auf alle anderen Disziplinen ausweitete, wurde Joseph Beuys und mit ihm Johannes Stüttgen zu Wegbereitern einer ganzen Bewegung, die unter Kunst nicht mehr nur ein fertiges Werk verstehen wollte. „Heute versteht man unter Kunst immer nur Besonderheiten und Spezialitäten von Künstlern, was aber immer auch eine Verengung ist,“ sagt Stüttgen. „Das Kunstwerk von dem ich rede, ist viel umfassender als die einzelnen Modellfälle von Kunst.“ Der erweiterte Kunstbegriff umfasst nicht nur die Künstler im speziellen Sinn, „sondern alle Menschen und alle Bereiche der Arbeit und sprengt die Begrenztheit. Wenn wir uns lange genug mit diesem Begriff beschäftigen, werden wir in ihm den Schlüssel finden, alle konventionellen Bedingtheiten in Frage zu stellen und zu korrigieren.“

Wer so argumentiert darf auch nicht davor zurück schrecken in die Wirtschaft und die Politik zu wirken, um so zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft beizutragen. Stüttgen tut es beispielsweise indem er mit DM-Gründer Götz Werner öffentlich über die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens spricht oder sich als Mitgründer des OMNIBUS für direkte Demokratie für Alternativen zu aktuellen Entwicklungen im allgemeinen Demokratieverständnis einsetzt. „Der Informationsgehalt der Welt nimmt zu, aber unser Wortschatz verharrt“, sagt Stüttgen und wünscht sich klare neue Begrifflichkeiten. Zum Beispiel darüber was ein Unternehmen ist. „Letztlich ist ein Unternehmen auch ein Kunstwerk. Daher ist die Rolle, die ein Unternehmen spielt, nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch weltwirtschaftlich interessant. Ich verzichte bewusst auf den Begriff der Volkswirtschaft, weil er sich in meinen Augen zur Weltwirtschaft erweitert hat. An dieser Stelle muss sich jedes Unternehmen wie auch jeder Mensch fragen, welche Rolle spiele ich im Ganzen? Mein Unternehmensziel darf sich nicht nur auf die einzelnen Produkte auf dem Markt beschränken. Jedes Unternehmensziel wird heute durch einen Parallelprozess begleitet, der die Frage aufwirft, wo stehe ich mit meinem Unternehmen im Gesamtzusammenhang der Welt. Insofern ist jedes Unternehmen gut beraten, wenn es innerhalb des Unternehmens eine Einheit oder Abteilung aufbaut, die sich allein mit diesem Prozess beschäftigt. In dieser Abteilung müsste grundsätzlich jeder Mitarbeiter in der Lage sein mitzuarbeiten, unabhängig davon welcher Abteilung er sonst angehört. In bestimmten rhythmischen Abständen müssten Prozesse stattfinden, die etwas mit freier Aussprache und Fragen zu tun haben, die über das eigene Unternehmen hinausgehen.“

Wer die Ausführungen von Johannes Stüttgen nicht vorschnell in die Schublade mit den zu großen Ideen und vergangenen Utopien stecken möchte, nähert sich im Gespräch unaufhaltsam auch der Frage nach sich selbst. „Die Frage nach dem Urtypischen ist immer eine Frage nach dem Anfang. Die Frage nach dem Anfang ist eine Bedingung, die erfüllt werden muss, wenn man herausfinden will, wer man selbst ist. Die meisten Menschen begehen aber den Fehler und lassen diese Frage nicht zu. Ihre Karriere und äußeren Existenzsorgen sind größer als ihre Neugierde und Suche, sodass sie sich immer weiter dem System verschreiben.“ Ein Beispiel sieht Stüttgen in der Entwicklung des Punks der 70er Jahre, der das bestehende System und die vorgehaltenen Ziele in Frage stellte. „Wenn wir uns aber fragen, was aus der Bewegung des Punks wurde, gelangen wir zu einem ernüchternden Ergebnis. Er stellt keine anhaltende Bewegung dar. Niemand hat solche Bewegungen wirklich ernst genommen. Man schwamm immer nur mit. Kein Mensch, der in der Jugend Punk war, ist es im Berufsleben geblieben. Obwohl diese Menschen in ihrer Jugend entzündet wurden, fragen sie sich heute nicht, was diese Entzündung für sie bedeutet hat. Wenn sie karrierehinderlich ist, bleibt diese Bewegung nichts Weiteres als eine schöne Erinnerung und Nostalgie. Diese Impulse aus der Jugend verkommen völlig. Diese Impulse muss man als Aufträge auffassen, die einem sagen, wo es langgeht. Es gelingt, wenn wir nur uns selbst treu bleiben und keinem anderen. Warum sollte ich die erfüllende Sinnsuche nach meiner Daseinsberechtigung auf diesem Planeten einer trostlosen Karriere unterordnen? Die Begründung der meisten Menschen hierfür ist die reine Angst. Die Angst ist etwas Interessantes, weil es die Angst davor ist, in seinen eigenen Abgrund zu schauen. Es ist der einfachere Weg. Mein Weg der Sinnsuche ist anstrengend, aber das Besteigen eines Berges ist ebenfalls nicht einfach. Für die Aussicht lohnt es sich umso mehr. Daher empfinde ich meinen Weg als den selbstverständlicheren. In dieser soeben beschriebenen Sichtweise sehe ich einen Beitrag für die Menschheit.“

Einen Beitrag den Johannes Stüttgen mit einer bestimmten Haltung verfolgt. „Meine Idealvorstellung ist der aufrechte Gang. Gerade zu stehen, den Kopf oben zu halten, die Füße auf der Erde und das Herz in der Mitte. Es ist die Übereinstimmung von Hand, Herz und Verstand. (…) Meine Haltung ist klar. Ich will geradestehen.“ Seine Arbeitsweise zeichnet sich in besonderem Maße durch Neugierde aus, „weil ich herausfinden möchte, was mein Gegenüber wirklich möchte und inwieweit sich das mit meinen Erfahrungen deckt. Im Grunde ist es ein Herstellen von Beziehungen. In diesem Vorgehen machen sich einige Arbeitsergebnisse und Muster bemerkbar. Sie beeinflussen meine Vorstellung. Beispielsweise sehe ich in jedem Menschen einen vorhandenen künstlerischen Impuls. Darin sehe ich sogar den Schlüssel für die zukünftige Entwicklung des Menschen. Der Fortschritt liegt in der Verbindung von Menschen. Die Verbindung geht über äußere Zusammenhänge und Rahmenbedingungen hinaus und mündet in einem ‚sich-im-anderen-wiedererkennen’. Obwohl es den Begriff der zwischenmenschlichen Beziehung erweitert, endet es in einer Katastrophe, wenn diese Erkenntnis unbeachtet bleibt. Durch den Austausch und das gemeinsame Miteinander entsteht eine Art künstlerischer und gesellschaftlicher Auftrag.“ Quick Wins, die schnellen Erfolge, sind dabei laut Stüttgen nicht zu erwarten. „In aller Regel erfüllt es sich, jedoch sehr langsam, was auch mit Umwegen und Rückschritten einhergeht. Ein künstlerischer Vorgang ist immer eine Art von Versuchsexperiment, die Sache weiterzutreiben.“ Mit der richtigen Wertschätzung kommt man auf ein höheres Niveau ist Stüttgen überzeugt. „Das gesamte Leben eines Menschen, angefangen mit seiner Geburt über seine Kindheit, das Erwachsenendasein bis hin zum Tod, ist ein permanenter Vorgang. Stellen wir uns die Frage wohin das hinausläuft, werden wir meist auf Dauer unzufrieden und verlieren uns lieber in Ablenkungen. Dann gerät man schnell in Gefahr, von äußeren Einflüssen bestimmt zu werden. Obgleich es Faktoren gibt, die wir nur sehr begrenzt beeinflussen können, wie beispielsweise den Alterungsprozess. Ich sehe alle Lebensstationen als künstlerischen Prozess, weil in ihnen die Freiheit liegt. Es sind Freiheitsprozesse und die Biografie wird ein Kunstwerk.“

Lesen Sie das volllständige Interview mit Johannes Stüttgen hier.

Johannes Stüttgen

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Freiraum für spielerisches Gestalten: Experteninterview im Werteindex 2018Cover des Werte-Index 2018

Freiraum für spielerisches Gestalten: Experteninterview im Werteindex 2018

Welche Werte sind den Deutschen heute wichtig? Kürzlich wurde der „Werte Index 2018“ veröffentlicht, der seit 2009 gesellschaftliche Entwicklungen im Internet unter die Lupe nimmt. Im Werte-Index kartografieren die Trendforscher Peter Wippermann und Jens Krüger den Werte-Kosmos der Internetnutzer. Er zeigt, wie häufig und in welchem Kontext grundlegende Werte unserer Gesellschaft besprochen werden. Grundlage für die Analyse sind rund 4 Millionen veröffentlichte Nutzermeinungen aus Blogs, Foren und Communities.

„Die Möglichkeiten der technischen Konnektivität kennen wir“, so Herausgeber Peter Wippermann. „Jetzt gilt es, mit der gleichen Begeisterung und Konsequenz die Potenziale der kulturellen Konnektivität zu erschließen.“ Sein Mitherausgeber Jens Krüger meint „es geht darum, Verantwortung zu übernehmen. Als Individuum, als Politiker und als Unternehmen. Letztendlich sind wir alle Teil eines größeren Ganzen.“

Im Buch zum Werte-Index sind wir mit einem Experteninterview zum Wert, bzw. Themenkomplex Freiheit vertreten. „Was den Menschen von der Maschine unterscheidet, wird zum Differenzierungsmerkmal im Markt,“ sind die Trendforscher überzeugt. Damit diese Differenzierung gelingt geht es nicht allerdings nicht um Freiheit, sondern um Freiraum, so unsere These. Wie das gemeint ist lesen Sie im ausführlichen Interview.

 

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“Kunst gab mir einen Grund zu Leben” – Interview mit dem Künstler Dai ChenlianDai Chenlian

“Kunst gab mir einen Grund zu Leben” – Interview mit dem Künstler Dai Chenlian

Nach einer anderthalb Stunden langen Fahrt mit einem Auto aus dem Stadtzentrum Pekings Richtung Süden beginnen die vielen Hochhäuser und Wohnblöcke langsam lichter zu werden. Das Ende der Stadt ist noch nicht erreicht, doch dafür ein anderer Mikrokosmos, der sich dem Alltag der chinesischen Hauptstadt entzieht: Verlassene, teils verfallene Gebäude und neugierige Blicke zieren den Weg zum Treffen mit dem Künstler Dai Chenlian, der sein Atelier in diesem abgelegensten Teil der Stadt hat, der von der Regierung nicht mehr verwaltet wird. Der kahlgeschorene Mann mit pfiffigem Lächeln lädt herzlich in seine Räumlichkeiten ein und kocht einen schwarzen Tee. „Kunst gab mir einen Grund zu leben“, erzählt er einleitend. „Es existiert für mich, um etwas auszudrücken. Durch die Kunst konnte ich meinen Weg finden glücklich zu leben.“ Hatte er sein verborgenes Talent entdeckt? „Ich denke in erster Linie muss man empfänglich sein und zweitens hart arbeiten”, entgegnet er. Sein Weg als Künstler führte ihn bereits nach Deutschland, er lebte mehrere Jahre in Dresden. Jetzt ist er wieder in Peking. Bald wird der Performance-Künstler und Maler sich ein neues Atelier suchen, am anderen Ende der Stadt, etwa zwei Stunden entfernt.

„Der Künstler sollte nicht immer den Regeln der Sicherheit folgen. Die Fragen sollten hinterfragt werden.” Trotzdem ist für Dai die Routine sehr wichtig, wenn er arbeitet. Kreativität und Routine sind für ihn kein Widerspruch, sondern ein Teil des gleichen Systems: „Ich nutze die Kräfte der Natur, wie die Elemente, um die Routine zu ändern. Ich verwende Wasser oder Feuer. Ich will, dass die Routine sich ändert, oder sogar bricht.“ Gewissermaßen provoziert Dai Momente, in denen er die Kontrolle verlieren könnte, um sie anschließend bestmöglich wiederzugewinnen und etwas Neues daraus zu formen: „Ich denke ein guter Künstler ist ein Künstler, der sein Werk auch kontrollieren kann. Ich finde, dass meine Arbeit im Grunde die eines Redakteurs ist. Ich habe viele Materialien, die ich wählen und suchen muss, um sie zu kombinieren, so wie ein Redakteur.“ Und wann weiß er, dass er publizieren kann? “Ich weiß, wenn es fertig ist, sobald es jemand anderem helfen kann. Wenn jemand einen Nutzen aus dem Werk ziehen kann, gibt es eine Art Schluss. Und ich werde dafür eine Zeit setzen müssen. Wie ein Topf mit Wasser, das kochen wird, kommt es zum Ende“, sagt er und gießt uns erneut Tee ein.

Das Ende eines Werkes ist für Dai jedoch nur eine einzelne Markierung eines langen, wahrscheinlich endlosen Weges. „Kunst bricht immer mit sich und rückt weiter in die Zukunft, auf die nächste Stufe. […] Und wir können uns vorstellen wie die Zukunft aussehen wird, wir stellen uns die Zukunft immer aus dem Hier und Jetzt vor. Es ist der Job des Künstlers sich dies vorzustellen und der Künstler wird immer bei der Zukunft stehen.“ Für ihn liegt genau hier der größte Unterschied zwischen Wirtschaft und Kunst: “Aber Wirtschaft ist oft mit dem Status Quo zufriedengestellt. Die Wirtschaft sollte mehr Wege oder Systeme ermöglichen, um Brücken zu bauen, und auch der wachsenden Schere zwischen Reich und Arm entgegenzuwirken. Sie müssen stabile Systeme erzeugen, wenn sie Gutes schaffen wollen, anstatt am gleichen Punkt zu verharren.“ Unser Übersetzer und ein Freund von Dai, Zhang Heming, ergänzt am Ende des Gesprächs diese Perspektive und schließt mit einem bekannten deutschen Künstler: „Wie Beuys bekanntermaßen sagte, ist jeder Mensch ein Künstler. Ich denke nicht, dass jeder ein Künstler sein sollte, aber ich denke durchaus, dass jeder kreativ in seiner Arbeit sein sollte. Das ist mein persönlicher Traum.”

Lesen Sie das vollständige Interview (nur auf Englisch).

Interview und Blogbeitrag: Benjamin Stromberg
Bildquelle: Der Künstler

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Glückliche Fügung: Age of Artists featuring Miha PogacnikMiha Pogacnik

Glückliche Fügung: Age of Artists featuring Miha Pogacnik

Vor etwa zwei Wochen waren wir mit einer Keynote auf dem Deutschen Wirtschaftsingenieurtag in der Elbphilharmonie vertreten und konnten dem Publikum einen Überraschungsgast präsentieren. Es war der Geiger und Visionär Miha Pogacnik. Miha ist ein Pionier der Erkundung des unerforschten Potenzials künstlerischer Gestaltungskraft und bereits seit über vier Jahrzehnten an den Schnittstellen der Disziplinen aktiv. Es war – wieder einmal – faszinierend zu sehen, wie es Miha gelang in nur wenigen Augenblicken das Publikum für sich einzunehmen. Aber sehen Sie selbst.

 

Videoquelle: Harald Rauh, Fachverlag Schiele & Schön GmbH
Mehr zur DeWIT Konferenz: http://www.vwi.org/hauptmenue/kongress/dewit-2017.html
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Age of Artists, das Zeitalter der Künstler – Webseite jetzt auch in deutscher SpracheQuellcode der deutschen Webpräsenz

Age of Artists, das Zeitalter der Künstler – Webseite jetzt auch in deutscher Sprache

In den vergangenen Jahren haben uns viele Kunden, Förderer und Freunde gefragt weshalb es unsere Internetpräsenz nicht auf Deutsch gibt. Nun, der Grund war einfach. Wir begannen als internationale Gemeinschaft (und sind es heute noch) und hatten einfach keine Kapazitäten um zwei Webseiten zu pflegen. Nun sind wir zwar mittlerweile nicht riesig aber dennoch etwas weiter. Und so haben wir es mit viel Mühe und gutem Willen geschafft: Age of Artists, das Zeitalter der Künstler, gibt es nun auch auf Deutsch! Zwar können wir nach wie vor aus wirtschaftlichen Gründen nicht alles, z.B. sehr lange Interviews, zweisprachig anbieten aber davon abgesehen schaut es recht gut aus. Wir freuen uns darüber und Sie vielleicht auch.

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Arbeiten 4.0 – Zu jeder Zeit und an jedem Ort? Vortrag zur Zukunft der Arbeit in DresdenKongress in Dresden: Zukunft der Arbeit

Arbeiten 4.0 – Zu jeder Zeit und an jedem Ort? Vortrag zur Zukunft der Arbeit in Dresden

Die Veranstaltungsreihe “Die Zukunft der Arbeit” des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung legt 2017 ihren Schwerpunkt auf den Aspekt der Flexibilisierung der Arbeit. Im Fokus steht die Möglichkeit, jederzeit und überall arbeiten zu können. Durch fortschreitende Digitalisierung und Vernetzung der Arbeitswelt besteht eine hohe Gestaltungsnotwendigkeit, so die Organisatoren. Auf dem Kongress am 23. und 24. November 2017 sind wir zweimal mit einem Vortrag und Forum vertreten. Unser These: Wie Künstler denken und arbeiten und mit anderen zusammenarbeiten bietet eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten in Bezug auf die Gestaltung von Organisationen, die sich innovative Lösungen für zukünftige Herausforderungen erarbeiten und gleichzeitig Sinn für die Mitarbeiter stiften. Wir nehmen die Teilnehmer mit auf einen Ausflug in Ateliers, auf Bühnen, Proberäume und Konzertsäle. Denn dort können wir viel darüber lernen wie Führung in der Zukunft interpretiert werden kann. Wir freuen uns darauf zu hören was den Teilnehmern zu unseren Ideen einfällt.

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