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LAND UND KULTUR GESTALTEN: Age of Artists erhält Bundesfördermittel für KulturprojektImpression aus der Lommatzscher Pflege: Blick auf das Lindigtgut zwischen Leippen und Ziegenhain

LAND UND KULTUR GESTALTEN: Age of Artists erhält Bundesfördermittel für Kulturprojekt

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert innovatives Kulturprojekt im Landkreis Meißen.

 

Das Projekt soll das kreative Potenzial ländlicher Gemeinschaften nutzen und entfalten, um kulturelle und wirtschaftliche Akzente zu setzen.

Die Age of Artists gGmbH mit Sitz in Nossen erhält für ihr Projekt „LAND UND KULTUR GESTALTEN“ vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft umfangreiche Fördermittel. Die Förderung ist Teil des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE). Die Stadt Nossen unterstützt das Vorhaben ebenfalls. Im Rahmen des Projektes wird das gemeinnützige Unternehmen in den kommenden zwei Jahren Aktionen und Veranstaltungen mit und für Menschen in der Region Nossen entwickeln und umsetzen.

Die vielfältige Kreativität von Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, angefangen bei handwerklichen Fähigkeiten, über soziales Engagement bis hin zu künstlerischer Arbeit, bilden die Basis des Projektes. LAND UND KULTUR GESTALTEN soll diese Kreativität sicht- und erlebbar machen, andere Menschen inspirieren, Austausch und Kommunikation anregen und den Menschen der Region zu Gute kommen.

Die auf zwei Jahre ausgelegte Anschubfinanzierung wird dafür verwendet, Strukturen, Orte und Plattformen zu entwickeln, die auch nach 2020 weiter wachsen können. Dafür wird LAND UND KULTUR GESTALTEN u.a. der Frage nachgehen, wie Menschen im ländlichen Raum miteinander, füreinander und durch einander kreativ sein können.

„Wir wollen diese Kreativität aus dem Verborgenen holen, Menschen vernetzen, Verbindungen herstellen, wo noch keine sind, und wir wollen neue Impulse einbringen – alles mit dem Ziel, das kreative Potenzial ländlicher Gemeinschaft bei der Entfaltung zu unterstützen, kulturelle und wirtschaftliche Akzente zu setzen und so unser aller Leben zu bereichern“, so Daniel Hoernemann, künstlerischer Leiter der Initiative. „Über die Anerkennung unseres Vorhabens und die Förderung durch das Bundesministerium freuen wir uns sehr.“

Die vollständige Pressemitteilung lesen Sie hier.

Weitere Informationen unter:

LAND UND KULTUR GESTALTEN
www.land-und-kultur-gestalten.de
Telefon: 0162 707 60 81
E-Mail: team@land-und-kultur-gestalten.de

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Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (3/5)Buddha Shakyamuni Seated in Meditation (Dhyanamudra)

Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (3/5)

Dritter Teil unserer fünfteiligen Reihe. Den ersten Teil lesen Sie hier, den zweiten Teil hier.

Teil 3: Entscheidung und Selbsterkenntnis

Ein Nutzen künstlicher Intelligenz liegt darin, dass sie uns schon heute (und mehr noch in Zukunft) hilft, Entscheidungen zu treffen, oder uns ganz von ihnen entbindet. Das hört sich sinnvoll und verlockend an angesichts einer tatsächlich oder nur gefühlt zunehmenden Vielfalt an Möglichkeiten. Wie willkommen wäre uns eine simple App, die uns an die Hand nimmt, wenn wir auf der Suche nach gesunden Milchprodukten für die Kinder mit dem Kühlregal im Supermarkt konfrontiert werden? Warm, wärmer, Joghurt! Doch die Entwicklungen im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz tendieren dazu, uns Entscheidungen immer größerer Tragweite abzunehmen. Welchen Fernseher kaufen wir, wo investieren wir, wie therapieren wir Krankheiten?

Die Erhöhung der Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz bringt viele Vorteile mit sich. Sie entscheidet schneller, oftmals auch besser als wir Menschen. Sie trägt in sich  aber auch das Risiko, dass wir uns mit essentiellen Themen weniger auseinandersetzen, dass wir weniger tiefgehende Analysen anstellen, reflektiertes Abwägen und auch das Ringen um Antworten einstellen, die zwingend genug sind, um zu einer guten, für uns bindenden, verpflichtenden Entscheidung zu gelangen. So verlieren wir Souveränität im Umgang mit den Dingen, berauben uns der Möglichkeit Selbsterkenntnis zu erlangen und Sinnhaftigkeit in unserem Handeln, in unserem Leben zu erfahren. An diesem Punkt kann dann auch ein noch so gut gemeintes „Search Inside Yourself“-Seminar nicht mehr helfen. Im Versuch, wieder ein Gefühl von Balance, Sicherheit und Sinn in unserem Handeln, in unserer Sicht der Welt entstehen zu lassen, begegnen sich heute viele Strömungen. Achtsamkeit zum Beispiel gehört inzwischen zum guten Ton in unseren Organisation. Gedacht wird sie allerdings nur als simplifiziertes Konzept, das herausgelöst aus einem größeren Zusammenhang bestenfalls kaschieren kann, woran es nach wie vor mangelt.

Im Künstlerischen lässt sich ein Weg zu mehr Sinnhaftigkeit erkennen, der in jedem von uns seit jeher angelegt ist und deswegen auch jedem von uns offen steht: Künstlerisch handelnde Menschen bringen zu jeder Zeit alles in ihre Arbeit ein: ihr Wissen und Können, ihr Gestaltungspotenzial und vor allen Dingen ihre Leidenschaft – eine Leidenschaft, zu der sie – und das mag überraschen – durch Reflexion gelangen. Reflexion bedeutet für den künstlerischen Menschen, zu analysieren und zu abstrahieren, sich frei zu machen von dem, was gewesen ist, sich davon zu distanzieren, was allgemein anerkannt ist, die eigene Perspektive zu verändern, Ideen zu generieren und im Austausch mit anderen weiterzuentwickeln und durch ständiges Hinterfragen sicherzustellen, sich niemals zu sicher zu sein. Dabei zielt alles darauf, sich zu fokussieren, zu einem besseren Verständnis zu gelangen, sich so einer Sache zu verpflichten, dass dadurch Entscheidungen nicht nur möglich, sondern zwingend werden.

Eine so verstandene und gelebte Reflexion beschränkt sich nicht nur auf die Urteilsbildung und Entscheidungsfindung mit Blick auf ein einzelnes Werk, sondern ist auch Ausgangspunkt für die Vermittlung zwischen Werk und Œu­v­re, Wert und Wirkung, Sinn und Sachlichkeit, Position und Transzendenz, Arbeit und Leben. Damit ist sie der Ort an dem sowohl die Sinnhaftigkeit, also der Bezug des Werkes zur Welt, als auch die Selbsterkenntnis, also die persönliche Beziehung zur Welt, verhandelt werden. So wird leicht nachvollziehbar, dass es riskant für den einzelnen Menschen, für Organisation und eine ganze Gesellschaft sein kann, diese Verhandlungen Algorithmen zu überlassen. Um die ethischen Belange künstlicher Intelligenz einschätzen, um uns Augenhöhe im Umgang mit ihr erhalten zu können, ist es essentiell, unterscheiden zu können, an welchen Stellen und in welcher Form sie nützlich sein kann und an welchen sie unsere Chancen auf Selbsterkenntnis einschränkt.

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Im vierten Teil unserer Serie berichten wir darüber, wie Automatisierung uns von lästigen Tätigkeiten befreit aber gleichzeitig unser Kreativität durch die Abschaffung wichtiger Routinen beeinträchtigt.  

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Dieses Essay basiert auf unseren Nachforschungen der letzten vier Jahre. Was unsere Erkenntnisse lebensnah und anwendbar macht, ist, dass wir bis heute weit über 100 Gespräche mit Künstlern aller Genres, aber auch mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern geführt haben. Ausführlich berichten wir darüber in unserem Buch „Creative Company“ (https://creativecompany.ageofartists.de).

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Bildquelle/Picture Source: Art Institute Chicago 

 

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Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (2/5)Curiosity Rover: Künstlerisches Concept des NASA Wissenschaftslabors für den Mars

Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (2/5)

Zweiter Teil unserer fünfteiligen Reihe. Den ersten Teil lesen Sie hier.

Teil 2: Effizienz und Vielfalt

Technologischer Fortschritt wird häufig mit Effizienzsteigerung gleichgesetzt. Maschinen zum Beispiel, zumal jene, denen man mehr und mehr eine gewisse Intelligenz zugesteht, können Dinge oftmals um ein Vielfaches effizienter erledigen als wir Menschen. Sie nehmen uns Aufgaben und Entscheidungen ab und verringern damit auch ganz beiläufig die Fülle persönlicher Erfahrungen. In der Arbeitswelt zeigt sich das in einer Spezialisierung, die es uns schwer macht, Anschluss an andere Bereiche zu finden oder Zusammenhänge herzustellen. In den sozialen Medien spricht man von Echokammern, die uns in unserer Sichtweise bestärken und Irritationen von uns fernhalten. Einen mehr oder weniger großen Teil unserer Erfahrungen kuratieren inzwischen Algorithmen in der Art eines Discover Weekly, wie wir es zum Beispiel von Spotify kennen. Das Streben nach Effizienz ist tief in uns verwurzelt und leicht nachvollziehbar. Warum Umwege in Kauf nehmen? Warum langsamer voranschreiten? Warum teurer produzieren?

Nimmt es überhand, eliminiert es das Verschwenderische in unserem Denken und die Vielfalt in unseren Erfahrungen. Das schwächt nicht nur unsere Intuition, die auf dieser Vielfalt beruht und die eine wesentliche Grundlage unserer Kreativität darstellt. Es reduziert außerdem unsere Chance auf glückliche Fügungen und lässt unsere Wahrnehmungsfähigkeiten verkümmern. Wir spüren, dass uns übermäßiges Effizienzstreben einschränkt, ohne diesem Streben etwas ernsthaft entgegensetzen zu können. Symptomatisch für diese Hilflosigkeit ist die Empfänglichkeit für Tipps, die die Abweichung von der Regel propagieren: Nimm jeden Tag einen anderen Weg zur Arbeit, wähle etwas zufällig aus der Speisekarte, frage in Meetings fünfmal Warum – alles nur ein Schatten künstlerischer Neugier und menschlicher Entdeckerfreude, die den Dingen auf den Grund gehen will und immer noch genug Reserven hat, Belangvolles am Wegesrand aufzusammeln.

Im Künstlerischen wird die Neugier nicht eingeschränkt, sondern gefördert. Die künstlerische Haltung ist von einer Neugier geprägt, die nicht immer effizient, sondern auch verschwenderisch ist, die Raum lässt für glückliche Fügungen, die keine schnellen Antworten liefert, bei der vielmehr eine Frage zur nächsten führt und die so Stück für Stück zu mehr Klarheit verhilft. Sie ist nie ziellos und doch immer ausschweifend. Auch wenn ein konkretes Thema verfolgt wird, ist potenziell alles andere interessant, auch wenn es nur entfernt oder gar nicht damit in Zusammenhang steht. Kurzum, die künstlerische Neugier beschreibt die grundsätzliche Bereitschaft unvoreingenommen wahrzunehmen, zu empfangen und zu lernen. Das Ergebnis eines solchen Strebens ist Vielfalt – eine Vielfalt an Fragen und Antworten, eine Vielfalt an Eindrücken, Erfahrungen und Einsichten, eine Vielfalt an Möglichkeiten – und letztendlich auch eine Vielfalt an Beziehungen, wenn man Neugier als das versteht, was der Künstler und Autor Johannes Stüttgen (wie er uns erzählte) darin sieht: „Meine Arbeitsweise zeichnet sich in besonderem Maße durch Neugierde aus, weil ich herausfinden möchte, was mein Gegenüber wirklich möchte und inwieweit sich das mit meinen Erfahrungen deckt. Im Grunde ist es ein Herstellen von Beziehungen.“ Gerade im Zusammenspiel von Mensch und Maschine wird es in Zukunft wichtiger werden, diese Vielfalt und dieses Herstellen von Beziehungen zu fördern. Organisationen, die dieses Zusammenspiel zu einem Vorteil gestalten wollen, müssen den Gewinn an Effizienz stärker dafür einzusetzen, in die Wahrnehmungsfähigkeiten ihrer Mitarbeiter und das organisatorische Sensorium zu investieren.

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Im dritten Teil unserer Serie denken wir darüber nach, wieso es hilfreich und problematisch zugleich ist, wenn Maschinen uns unsere Entscheidungen abnehmen.

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Dieses Essay basiert auf unseren Nachforschungen der letzten vier Jahre. Was unsere Erkenntnisse lebensnah und anwendbar macht, ist, dass wir bis heute weit über 100 Gespräche mit Künstlern aller Genres, aber auch mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern geführt haben. Ausführlich berichten wir darüber in unserem Buch „Creative Company“ (https://creativecompany.ageofartists.de).

Bildquelle: NASA/JPL-Caltech

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Der Widerspruch als Antrieb – Interview mit dem Pianisten Martin KohlstedtMartin Kohlstedt

Der Widerspruch als Antrieb – Interview mit dem Pianisten Martin Kohlstedt

Der Pianist Martin Kohlstedt ist Künstler und Unternehmer, Musiker und gleichzeitig Chef seines eigenen Labels mit über zehn Mitarbeitern. Absehbar war das nicht, denn er begann erst mit zwölf Jahren mit dem Klavierspiel. Mittlerweile hat der gebürtige Thüringer drei Soloalben veröffentlicht und tritt auf internationalen Festivals auf. Im Gespräch erzählt er uns wie es gelingen kann, die widersprüchliche Gleichzeitigkeit von künstlerischer Freiheit, musik-industrieller Notwendigkeit und geschäftlich-administrativen Belangen in einen stimmigen Gesamtzusammenhang zu setzen.

Der Künstler

Auf der Bühne experimentiert Martin Kohlstedt, lässt seine Stücke miteinander reagieren, löst sie auf und schafft so jedes Mal etwas Neues. “Meine Musik basiert auf einem sehr intuitiven Ansatz. Zu Beginn ist es mehr oder weniger ein Spielen aus einer Langeweile heraus, bis es dann zu einem Stück wird, das einem von ganz allein aus den Fingern läuft.” Bei dieser Aussage fällt es nicht schwer sich vorzustellen, wie der damals zwölfjährige zum ersten Mal auf dem verstimmten Klavier im elterlichen Wohnzimmer zu spielen begann. Heute ist für Martin Kohlstedt das Konzert, der Diskurs mit dem Publikum, der Reaktor dafür, dass Neues entstehen kann. “Ich kann mich nicht zu Hause hinsetzen und mir vornehmen, etwas Neues zu machen und daraus etwas zu entwickeln. Stattdessen nehme ich es mit in den Kontext Publikum, in dem auch diese Energie spürbar ist. Da gibt es dieses Gegenüber und diesen Resonanzkörper. Zu Hause ist der Zweifel zu stark. Das Publikum gibt einem aber eine sehr große Sicherheit. Ich merke dann auch, ob ein Stück gerade funktioniert oder nicht. Das Konzert ist die Hauptessenz meiner Arbeit. Live diskutiere ich eher. In dem Moment wo ein Publikum da ist, betrachte ich meine eigenen Stücke von oben und füttere sie elektronisch an, mache sie größer, kleiner, kaputt, vielleicht verstärke ich sie aber auch einfach. Es ist einfach ein komplett anderer Blickwinkel. Mein Live-Konzert ist sehr weit entfernt von dem Album. Und so entwickle ich meine Musik auf der Bühne permanent weiter und lasse sie fortwährend in Verhandlung, bis ich wieder neue Sachen herausarbeite, die ich dann irgendwann wieder auf einem Album aufnehme. Der Prozess findet umgekehrt statt. Das ist es, was mich von vielen anderen Künstlern unterscheidet. Es ist nicht so, dass ich ein Album mache, mit diesem Album auf Tour gehe und dann wieder ein Jahr lang neue Skizzen mache. Der eigentliche Prozess ist das, was ich live tue. Da ist der Diskurs, da ist das Chaos.”

Ein Chaos das für Martin Kohlstedt auch immer eine Suche nach dem Kreativpotenzial seines eigenen Unterbewusstseins ist. “Das Unterbewusste hat das Potenzial, ein Vokabular zu erschaffen”, ist er überzeugt. “Das fühlt sich nach einer höheren Instanz an als die eigene menschliche Entscheidungsfähigkeit, die Dinge in Formate, Längen oder Sets zu pressen. Man fängt an, seine Musik für Formate anzupassen. Das ist natürlich auch ein kreativer Prozess, aber das tatsächlich Künstlerische ist dieses Bohren, oder dieses Übersetzen der tiefsten Ängste. Darin sehe ich das größte künstlerische Potenzial. Man wird energisch, die Hände werden schweißnass und man hat das Gefühl, dass man da nicht weitermachen sollte. Man ist mit sich selbst in einer Welt, die manchmal auch nicht wohltuend ist.” Und doch sieht der Künstler für sich keinen anderen Weg. “Der echteste Moment ist der öffentlichste und ich glaube, dass ich in diesen 90 Minuten am meisten ich selbst bin. Das, was ich zu Hause mache – dieses Kalkulieren und Konstruieren – ist stets falsch.”

Der Produzent

Nach der Tour wird aus dem Pianisten der Produzent. Es beginnt ein Auswahlprozess und das was er als “bewussteres kreatives Arbeiten”, auch in Abgrenzung zu seinen Bühnenerlebnissen bezeichnet. “Das ist eine lange Zeit des Abwägens und Auswählens. Ich habe diese riesige Bank an Live-Mitschnitten von einem halben Jahr auf Tour. Dann beginne ich, mir diese ganzen Ansätze anzuhören, zu sammeln und erst einmal in Ordnung zu bringen, in Regale einzuordnen. Ich frage mich, was die Essenz dessen ist, was ich auf der Bühne versucht habe, zu improvisieren. Wenn mir da etwas gefällt, dann konzentriere ich es am Klavier auf den Ursprung zurück, und in dem Moment ist es meistens auch schon das neu gedachte Werk, das dann von meinem Kopf die Erlaubnis bekommt, jetzt selbst wachsen zu dürfen. Dann fange ich an, aufzunehmen, und das ist auch der Beginn dieses Label-Denkens. Ich merke, wie ich umschlage. Anhand des Live-Sounds, der Endaussage oder anderen Faktoren beurteile ich, ob ein Stück es auf das Album schafft. Diese Stücke werden dann weiterentwickelt. Man muss festlegen, welche Länge die richtige für das Album ist, wie viele Stücke auf das Album sollen, wann die Aussage getätigt ist. Da tritt der kreative Prozess in den Hintergrund, weil es darum geht Entscheidungen für ein Produkt zu treffen.” Ein Produkt, und dieser Sachverhalt macht seine Aufgabe nicht unbedingt einfacher, er selbst ist.

Der Unternehmer

So frei Martin Kohlstedt auf der Bühne agiert, so geradlinig und stringent verhält er sich wenn es darum geht sein Unternehmen zu führen, “weil die Überraschung mir die Freiheit wieder nehmen könnte, zumindest vom organisatorischen Aspekt her. Ich bin gern zuverlässig auf den Punkt vorbereitet, damit ich frei sein kann. Es fällt mir auch sehr schwer, Aufgaben abzugeben. Ganz gewisse Sachen halte ich sehr eng bei mir. Bei der Administration habe ich beinahe eine Kontrollsucht und in der Kunst lasse ich los. Es gibt eine starke Ambivalenz zwischen der Improvisation beim Auftritt selbst und der Organisation des Drumherums.” Unternehmertum für Martin Kohlstedt bedeutet ein stabiles Fundament zu schaffen auf dem sich der künstlerische Freiraum entfalten kann. “Freiheit ist für mich ein zentraler Begriff. Schließlich ist das auch einer der Gründe, warum man sein eigenes Unternehmen gründet. Das alles ist zwar immer noch eine Nische, aber das muss es auch, damit es weiterhin frei sein kann. Ich hätte vor zwei Jahren zu einem großen Label gehen können und dementsprechend hätte sich meine Attitüde entwickelt. Aber diese Freiheit ist es, wonach ich permanent strebe. Gleichzeitig unterliegt man aber im Gefängnis des Musikbusiness gewissen Strukturen. Aber der Freiheitsgedanke löst alles aus, die ganze Energie entspringt daraus.”

Dabei hilft es dem Unternehmer sehr, dass zu seinem Label 13 sehr enge, vertraute Menschen, “Freunde auf Augenhöhe”, gehören. “Ich will, dass es weiterhin genauso läuft. Und weil das so sperrig zu kommunizieren ist, kann ich niemanden damit beauftragen. Das heißt, dass ich ein Team brauche, das mich lange kennt, mit dem ich aufgewachsen bin. Eine eigene Familie,…” Die 13 Menschen sind das Team, sind die Unternehmung. “Wenn ein Release kommt, dann kümmern diese Menschen sich wirklich um das Album als Produkt. Auf einmal steht dann einfach eine andere Überschrift da, und PR-Agenturen brauchen genau das. Da bin ich einfach der Typ am Klavier und das Team sorgt dafür, dass sich das Album verkauft und dass ich Auftritte bekomme. […] Weil die emotionale Bindung höher gestellt ist als die wirtschaftliche, führt es dazu, dass ich zwischen diesen 13 Menschen vermitteln muss. Mein Job besteht hauptsächlich darin, permanent zu kommunizieren. Ich muss das Team halten.”

Ein Team formen, das Unternehmen leiten, die Bedingungen des Marktes anerkennen und im eigenen Handeln abbilden, künstlerisch Selbstwert und Selbstbewusstsein entwickeln, Gestaltungspotenzial entfalten, Entscheidungen treffen und Ängste überwinden – es ist eine ganze Menge was uns im Gespräch mit Martin Kohlstedt begegnet. Da tut es gut zu erfahren, dass sich auch sein Leben nicht als gerade Linie darstellt. “Auf der einen Seite will ich mir erlauben, die Dinge einfach walten zu lassen, merke dann aber doch, wie sich die linke Gehirnhälfte einschaltet und möchte doch wieder Kontrolle darüber gewinnen. Dieser Streit zwischen rechter und linker Gehirnhälfte ist meine Energiequelle. Deswegen ist der Widerspruch wahrscheinlich auch ein großer Antrieb, genau wie der Zweifel.” Das Ausbalancieren von Gegensätzlichkeiten, das Mäandern zwischen den Polen um seinem letztendlich unerreichbaren Freiheitsideal ein wenig näher zu kommen. “Das Streben nach der Freiheit ist zwar immer da, aber letztendlich findet man durch diese ganzen anderen Bedingungen auch hier einen Widerspruch. Das Ziel ist unerfüllbar.” Mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nach Perfektion zu streben, obwohl die eigene Erfahrung lehrt, dass dies von Natur aus gar nicht möglich ist? Vielleicht ist dies auch eine der zentralen Erkenntnisse, die ein Konzert von Martin Kohlstedt für die Zuhörer zu einem ganz persönlichen Erlebnis und einer gemeinschaftlichen Zeremonie werden lässt.

Lesen Sie das vollständige Interview mit Martin Kohlstedt hier.

Interview: Katja Stenzel und Dirk Dobiéy, Blog: Dirk Dobiéy
Bild- und Videoquelle: Martin Kohlstedt, bzw. gemeinfrei

 

 

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Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (1/5)Hendrik Goltzius, nach Cornelis Cornelisz van Haarlem Icarus

Die Abschaffung der Kreativität: Ein Essay über künstliche und künstlerische Intelligenz (1/5)

von Dirk Dobiéy und Thomas Köplin

Teil 1: Was uns unersetzlich macht

Die größten Hoffnungen auf wirtschaftliches Wachstum sind mit technologischem Fortschritt verknüpft. Technologischer Fortschritt eröffnet faszinierende Möglichkeiten. Die mit ihm einhergehenden Umwälzungen sind teilweise aber auch hoch problematisch und ihre Folgen zumeist unabsehbar. Am weitreichendsten, zumindest aber am offensichtlichsten sind für uns heute die Fortschritte auf dem Gebiet der Digitalisierung und der sogenannten Künstlichen Intelligenz. Mit uns und untereinander vernetzte, intelligente Maschinen werden uns dabei helfen, neue Freiräume zu gewinnen. Sie unterstützen bei der Entscheidungsfindung, sie steigern die Produktivität, nehmen uns Arbeit ab, verschaffen uns Raum für neue Aufgaben, machen das Leben leichter und uns vielleicht auch zu besseren Menschen.

Ihr Einsatz wird aber auch ganze Berufsbilder verschwinden lassen und Menschen ihrer Existenzgrundlage berauben. Die Frage, wasuns Menschen unersetzlich macht, rückt in den Mittelpunkt. Geradezu zwingend wird sie, wenn man daran arbeitet, Maschinen zu einer Art der Wahrnehmung, des Lernens und Handelns zu verhelfen, die der menschlichen gleichkommt oder sie auch übertrifft. Inzwischen weisen zahlreiche Forscher, unter ihnen auch der kürzlich verstorbene Stephen Hawking, darauf hin, dass die Erschaffung künstlicher Intelligenz leicht auch zu unserer letzten Erfindung werden könnte. Alles arbeitet darauf hin, die erfahrbare Natur zu verstehen, zu kopieren, zu verändern, unsere Welt und uns selbst nach ihrem Vorbild und weit darüber hinaus neu zu gestalten und zu übertreffen.

Dennoch geht Bill Briggs, Chief Technology Officer beim Beratungsunternehmen Deloitte, davon aus, dass wir Menschen in allem, was Kreativität und menschliche Interaktion erfordert, auch weiterhin Maschinen überlegen sein werden. Für ihn gibt es zwei Dinge, die durch Technologie nicht ersetzt werden können: Zum einen der Erhalt der Menschheit, zum anderen die Arbeit an Wicked Problems, komplexen Problemen, die nicht genau definiert werden können, die mehr als nur eine Lösungsoption haben und bei denen dennoch jede Entscheidung und jede Aktion spürbare Auswirkungen nach sich zieht.[1] Die Suche nach Leben auf dem Mars ist ein solches Wicked Problem. Globale Herausforderungen wie der weltweite Klimawandel oder globale Migrationsbewegungen sind Wicked Problems oder tragen gar mehrere davon in sich. Und auch unsere Organisationen sehen sich ausgelöst durch Wettbewerbsdruck und Fortschritt in einer global vernetzten, digitalen Welt komplexen Problemstellungen gegenüber. Wenn einfache, lineare Problemstellungen zunehmend automatisiert bearbeitet werden, sollten Menschen sich stärker der Lösung gesellschaftlicher Fragestellungen und komplexer Aufgaben widmen können. Dafür aber müssen wir Fähigkeiten stärker ausbilden, die bislang eine weniger große Rolle spielten. Zu ihnen gehören Wahrnehmungsvermögen, Reflexionsfähigkeit, Gestaltungskompetenz, Umgang mit Unplanbarkeit und Ambiguität – alles Fähigkeiten, die im Künstlerischen zu Hause sind.

Eric Schmidt – und dass gerade er das bereits vor 15 Jahren sagte, ist bemerkenswert – meint: „Sie müssen die Künstler das nächste große Ding entdecken und erschaffen lassen. Wenn Sie das zulassen, sind sie darin sehr zuverlässig.“[2] Doch noch während Forderungen wie diese heute immer lauter werden, erleben wir, dass technologischer Fortschritt meist ungewollt zwar, aber mit zunehmender Vehemenz dazu beiträgt, Kreativität zu unterdrücken.

Über diesen Text:

Dieses Essay basiert auf unseren Nachforschungen der letzten vier Jahre. Was unsere Erkenntnisse lebensnah und anwendbar macht, ist, dass wir bis heute weit über 100 Gespräche mit Künstlern aller Genres, aber auch mit Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen und mit zahlreichen Wirtschaftsvertretern geführt haben. Ausführlich berichten wir darüber in unserem Buch „Creative Company“ (https://creativecompany.ageofartists.de).

Quellen:

[1]Briggs, Bill; Exponentials: Tech Trends 2014, online verfügbar unter https://www2.deloitte.com/insights/us/en/focus/TEST-DO-NOT-USE/2014/2014-tech-trends-exponentials.html, zuletzt geprüft am 8. Oktober 2018.

[2]Schmidt, Eric (2003). Foreword. In: Robert Daniel D. Austin, & Lee Devin. Artful making: What managers need to know about how artists work. FT Press.

Bildquelle: https://www.nga.gov/collection/art-object-page.152775.html

 

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Es ist auch eine Art der Kommunikation mit anderen Personen – Interview mit der Malerin und Bildhauerin Hélène PicardHélène Picard

Es ist auch eine Art der Kommunikation mit anderen Personen – Interview mit der Malerin und Bildhauerin Hélène Picard

„Meine Arbeit dreht sich vorwiegend um Emotionen“ antwortet Hélène Picard, als wir sie nach ihrer Inspiration befragen. Die französische Malerin und Bildhauerin, die bildende Künste an der Universität „Beaux-Arts“ in Paris studiert hat, drückt in ihren Kunstwerken aus, wie sie andere Menschen wahrnimmt oder wie sie die Atmosphäre einer Umgebung empfindet. „Alles was ich sehe, kann ich sehr stark und tief empfangen […] Selbst, wenn man eine Landschaft betrachtet. Für mich repräsentiert eine Landschaft innere Gefühle. Es ist eine Möglichkeit eine Brücke zwischen beiden zu schlagen, den externen Elementen und dem, was wir in uns haben.“

Ihr Weg hin zu der Künstlerin, die sie heute ist, war nicht immer leicht. Sie durchlebte eine dreijährige Krise in der sie fortwährend versuchte finanzielle Stabilität und Selbstentfaltung zu balancieren: „Ich war so davon besessen von meiner Kunst zu leben, meine Gemälde zu verkaufen, Geld zu verdienen, dass ich an einem bestimmten Punkt ankam, wo ich nur noch gemalt habe, um meine Bilder zu verkaufen und nicht mehr zu meiner eigenen Befriedigung – oder um zu suchen und zu finden, wie beispielsweise eine neue Ausdrucksform“.

In gewisser Weise ist es Hélène Picards Bedürfnis der Welt zu zeigen, was sie wahrnimmt. Diese Notwendigkeit half ihr über diese schwierige Phase hinwegzukommen und sich letztendlich darüber klar zu werden, “dass ich nichts anderes sein kann als eine Künstlerin: Sicherlich, es ist auch eine Frage der Selbstdarstellung und weil ich zu viel in mir habe. Andererseits ist es aber auch eine Art der Kommunikation mit anderen Personen. Nicht mit Worten, sondern in meinem Fall mit Farben.“

Hélène Picard – La blouse dorée

Hélène Picard’s Arbeitsweise stellt sich für die Künstlerin selbst als unübersichtlich dar, auch weil durch die Hinterlassenschaften anderer eine gewisse Komplexität entsteht: „Wenn man versucht etwas zu schaffen, dann erschafft man es aus etwas das bereits existiert, da man nicht alleine auf der Welt ist. Man hat ein paar Anhaltspunkte und Inspirationen.“ Ihrer Meinung nach liegt das Einzigartige eines Kunstwerkes in dessen Form und diese wird von dem Künstler bestimmt: „Man findet Inspirationen, aber die Form am Ende ist einzigartig“.

Diese Suche nach Einzigartigkeit ist charakteristisch für viele Gestaltungsprozesse. Für  Hélène Picard ist es auch Ursprung innerer Unruhe, insbesondere im Zusammenhang mit Ausstellungen. Diese bedeuten für sie, dass sie sich ihrer Angst vor der Zurückweisung der Besucher stellen muss und auch negativen Rückmeldungen ausgesetzt sein kann. Mit der Zeit nimmt diese Unsicherheit ab, und zwar „nachdem man etwas Anerkennung für das was man tut erhalten hat, ändert sich dies. Dann fühlt man sich wohler.“ Hier zeigt sich eine Parallele zu Situationen in der Arbeitswelt. Oftmals halten sich Mitarbeiter zurück, wenn es darum geht Ideen zu artikulieren, vor allem wenn diese über den normalen Rahmen hinausgehen. Die Angst vor Zurückweisung und das damit einhergehende Verhalten hat jedoch auf lange Sicht einen negativen Einfluss auf die Innovationsfähigkeit.

Für Unternehmen, die die Motivation und Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter aufrechterhalten möchten, ist es wichtig, ein Arbeitsumfeld zu ermöglichen, welches Mitarbeiter dazu anregt über ihre Grenzen hinauszugehen, meint auch Hélène Picard: „Man kann erkennen, dass wenn man Leuten erlaubt sich selbst auszudrücken und sie davon überzeugt es einfach mal auszuprobieren, […] dies zu starkem Engagement führt“. Gleichzeitig kommt es auch auf die Wertschätzung für sich selbst, das eigene Selbstbewusstsein und die Fähigkeit die eigene Weiterentwicklung anzuerkennen an: „Wenn man mit sich selbst zufrieden sein möchte, dann muss man an sich selbst und an seine Fähigkeiten glauben. Man muss anerkennen, dass man gute Dinge tut, selbst wenn manche Leute es nicht genauso sehen. Dennoch tut man was man kann und man versucht sich zu verbessern. Jeden Tag machen wir ein paar kleine Fortschritte, nicht viele, aber es ist dennoch sehr wichtig diese wahrzunehmen. Dies ist eine Art um mit seiner Arbeit zufrieden zu sein.“

Das vollständige Interview finden Sie hier.

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Interview Julia Kierdorf, Blog Thomas Castéran und Julia Kierdorf
Bildquelle: Hélène Picard

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„Ich mag das Ungewisse, ich mag es überrascht zu werden” – Interview mit der Bildhauerin Vanessa NotleyVanessa Notley

„Ich mag das Ungewisse, ich mag es überrascht zu werden” – Interview mit der Bildhauerin Vanessa Notley

„Man benötigt Zeit im Leben, das anzuzweifeln was man tut“. Eine Sache, die Vanessa Notley nie angezweifelt hat, ist, dass sie bereits in jungen Jahren wusste, dass sie einmal Künstlerin werden möchte. Bei allen anderen Dingen versucht die schottische Malerin und Bildhauerin, die in Sètes (Südfrankreich) lebt, sich immer wieder neu herauszufordern und die Dinge in Frage zu stellen, die sie gerade tut.

Alles begann damit, dass sie als Teenager die Entscheidung treffen musste entweder eine Universität oder eine Kunsthochschule zu besuchen. Sie entschied sich für die Universität, da sie damals annahm, dass diese anspruchsvoller sein würde als die Kunsthochschule. Erst später, als sie dann tatsächlich Künstlerin wurde, realisierte sie, dass Künstlerin zu werden “noch schwieriger sei aber dabei auch viel erfüllender. Studentin zu sein und zur Universität zu gehen, das kann man alles lernen, aber es ist nichts womit man sich konfrontieren kann. Dahingegen bedeutet Künstlerin zu sein, dass man immer wieder nach neuen Herausforderungen suchen muss.“

 

Vanessa Notley – Indiscret

Für Vanessa Notley ist die kontinuierliche Suche nach Antworten und die damit verbundene Unsicherheit eine wichtige Motivationsgrundlage: „Jeder langweilt sich mal, und das Einzige was mich nicht langweilt ist eben das! […] Irgendwie mag ich dieses unwohle Gefühl ‘Wie kann ich dies machen?’ Wenn ich das nicht hätte, wenn ich nur ein Lehrer wäre, dann glaube ich würde mir die Schwierigkeit fehlen und ich mag diese Herausforderung. Ich mag das Ungewisse, ich mag es überrascht zu werden.“

Ungewissheit auf der einen Seite, Kontinuität auf der anderen – für Vanessa Notley stellt dieses Begriffspaar keinen Widerspruch dar. Sie erzählt uns beispielsweise, dass ihr Arbeits- und Denkprozess über die Jahre gleich geblieben ist. Sie beginnt immer mit Zeichnungen, Skizzen und dem Zuschneiden von Elementen, die dann später aufeinandertreffen und ihre Vision repräsentierten. Und dennoch gibt es „immer wieder neue Entdeckungen zu machen“, die sich aus der Wiederholung ihrer Arbeit und Prozesse ergibt. „Ich muss eine Menge Zeit dafür aufwenden nahezu die gleiche Bewegung durchzuführen. Indem ich dies tue lerne ich jedes Mal so viele neue Sachen. Hierdurch werden auch unterschiedliche Dinge immer deutlicher, wie zum Beispiel wie sich der Gegenstand anfühlt, welche Eigenschaften das Material mit sich bringt, dessen visuelle Qualitäten sowie die Geräusche des Materials. Die Zeit, die ich damit verbringe genau dies zu tun, erweckt ebenfalls einen Grund dafür weshalb es existiert.“

Vanessa Notley – Chateau Bosc

Ihrer Meinung nach liegt der größte Unterschied zwischen der Kunst und der Arbeitswelt darin, dass es im normalen Berufsalltag immer die Verpflichtung gibt, dass “am Ende des Tages ein Ergebnis vorliegen muss“. Das ist in der Kunst zwar nicht unähnlich und doch sieht der Weg dorthin häufig anders aus, denn „Kunst stellt zum Schluss ein konkretes Ergebnis dar, aber eine ganze Zeit lang gibt es rein gar nichts“.

Dies ist genau der Punkt an dem Vanessa Notley die hohe Bedeutung von Zweifel und Unsicherheit während ihres Arbeitsprozesses betont: „Ich glaube Zweifel sind sehr wichtig. Man benötigt Zeit im Leben, anzuzweifeln was man tut. Dieses kleine bisschen Unsicherheit. Eine bestimmte Zeit lang macht man überhaupt nichts, weder etwas Körperliches noch etwas Materielles. Dinge müssen erst einmal ausgearbeitet werden, jedoch zunächst ohne ein konkretes Ergebnis.”

Solche Phasen sind essentiell für Vanessa Notley und fest in ihrem Arbeitsprozess verankert. Sie führen sie schlussendlich und damit sicher zu ihren Werken. Ein Vorgang der sich nicht ohne weiteres in Unternehmen denken und umsetzen lässt, da diese Zeit und Ressourcen aufwenden müssten, ohne das konkrete Ergebnis vorab zu kennen. Aber genau darum geht es wenn man von Innovation spricht: Zeit im Ungewissen zu verbringen um über neue Ideen nachzudenken und diese entwickeln zu können. „Diese Idee ist einfach unglaublich, dass es ein Arbeitsumfeld geben könnte, wo Leute einfach sagen könnten „mal schauen was passiert”.

Lesen Sie das vollständige Interview hier (Englisch).

Interview und Artikel von Thomas Castéran und Julia Kierdorf

 

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Buchveröffentlichung: Creative CompanyUnser Buch "Creative Company - Wie künstlerisch zu arbeiten Organisationen dabei hilft, über sich hinaus zu wachsen" ist da!

Buchveröffentlichung: Creative Company

Unternehmen als Möglichkeitsraum für Kreativität und Innovation

Organisationen müssen heute zahlreiche und oft auch widersprüchliche Anforderungen miteinander vereinbaren, weil ohne deren Beachtung Profitabilität und Langlebigkeit immer schwerer möglich sein werden. Dafür müssen Fähigkeiten ausgebildet werden, die bislang nur eine geringe Rolle spielten. Zu ihnen gehören Wahrnehmungsvermögen, Reflexionsfähigkeit, Gestaltungskompetenz, Umgang mit Unplanbarkeit und Ambiguität – alles Fähigkeiten, die im Künstlerischen zu Hause sind.

Künstlerisch handelnde Menschen – und das schließt ausdrücklich alle Menschen ein, deren Haltung sich in ihrer Neugier, Leidenschaft, Zuversicht und Widerstandsfähigkeit zeigt – leiten aus Herausforderungen der Gemeinschaft individuelle Arbeitsaufträge an sich selbst ab. Organisationen, die in Zukunft erfolgreich sein wollen, sind auf künstlerisch handelnde Menschen angewiesen. Wie aber muss das Umfeld beschaffen sein, in dem sich die Gestaltungskraft des Einzelnen entfalten kann? Es muss jede Art von Einseitigkeit überwinden und zugleich Vielfalt, Sinnhaftigkeit, Freiraum und Beweglichkeit in allen Bereichen und letztendlich auch die Gleichzeitigkeit von Gegensätzen ermöglichen.

Dirk Dobiey und Thomas Köplin, Mitgründer des gemeinnützigen Beratungs-, Ausbildungs- und Forschungsnetzwerks Age of Artists (ageofartists.org) bewegen Gedanken, die in jeder Organisation, ob nonprofit oder gewinnorientiert, in Zeiten steten Wandels gedacht werden müssen:

  • Der künstlerische Mensch: Künstlerische Intelligenz, Erfahrungen gestalten, Kunst ohne Talent, künstlerische Fitness, Impuls und Ergebnis
  • Auf der Suche nach dem heiligen Gral: Business Symphony, Kreativitätsantrieb, Meisterwerk Organisation, Material und Widerstand
  • Wahrnehmung, Neugier und Vielfalt: Geliebte Komplexität, Innovation entsteht im Dialog, das versteckte Offensichtliche, Architektur des Zuhörens, das Glück der Entdecker
  • Reflexion, Leidenschaft und Sinnhaftigkeit: Leben vom Einfall, effiziente Erleuchtung, besser entscheiden, wertebasierte Organisation
  • Spiel, Zuversicht und Freiraum: Die weiße Leinwand, spielend gestalten, organische Organisation, Effizienz und Verschwendung, niemand ist eine Insel
  • Aufführung, Resilienz und Beweglichkeit: Von Kunst- und Netzwerken, Kritik und Dissens, Fehler und Scheitern, das Geheimnis der Langlebigkeit

Es entsteht eine Vorstellung davon, um wie viel effektiver Organisationen und um wie viel glücklicher Menschen sein könnten, wenn wir dem Künstler in uns erlauben würden, sich klarer und bewusster zu entwickeln.

Creative Company ist Vahlen erschienen und ab sofort im Buchhandel erhältlich.

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Autonom Handeln um Spielerisch zu Gestalten – Interview mit dem Evolutionsbiologen Bernd RosslenbroichBernd Rosslenbroich

Autonom Handeln um Spielerisch zu Gestalten – Interview mit dem Evolutionsbiologen Bernd Rosslenbroich

Bernd Rosslenbroich ist Institutsleiter am Institut für Evolutionsbiologie an der Privatuniversität Witten/Herdecke. In seinem Buch „On the Origin of Autonomy“ betrachtet Rosslenbroich die großen Veränderungen in der Evolution nicht als reine Anpassung an Umweltbedingungen, sondern als ein Wechselspiel und einen Austausch von Organismus und Umfeld. Dieser Blickwinkel versprach ein besonders spannendes Gespräch, auch weil Rosslenbroich spielerische Vorgänge als wesentliche Komponente für Flexibilität und Autonomie ansieht.

Für ihn ist es konsequent und selbstverständlich, dass höher entwickelte Organismen anfangen zu spielen: „Eine Evolutionsforschung, die sich auf Anpassung konzentriert, kann diesen Sachverhalt evolutionsbiologisch nur schwer erklären, weil das Spielen keinen Anpassungswert hat. An dieser Stelle kann man das Spiel des Menschen betrachten und feststellen, dass der Mensch das Spielen exzessiv betreibt. Kinder spielen ausgesprochen umfangreich. Wird dieser Gedanke fortgeführt, kann man eine gewisse Kreativität erkennen. Es werden flexible Handlungen geübt und kein bestimmtes Verhalten, sondern eine Vielfalt von Verhaltensmöglichkeiten wird eingeübt. Es wird Flexibilität an sich gelernt und das ist Kreativität. Das charakterisiert den Menschen ganz besonders. Wir haben Freiheitsgrade, die wir durch das Spielen trainieren. Deswegen ist das Spiel etwas ganz Wertvolles in unserer Gesellschaft und in besonderer Weise für unsere Kinder.” Was Kinder und ihr Spiel auszeichnet ist vor allem Neugier und das Verlangen, neue Dinge auszuprobieren. Ein natürlicher Vorgang den man als Erwachsener vielleicht eher Experiment oder Versuch und Irrtum nennen würde. Denn das Experiment ist letztendlich eine spielerische Art, etwas Neues zu entdecken oder zu gestalten. Entsprechend  versteht Rosslenbroich das Experimentieren als Aufgreifen und Fortführen der biologischen Möglichkeiten, um die Spielfähigkeit auch kulturell zu veredeln. Zwar sollte man Kultur und Biologie nicht in unzulässiger Weise vermischen und „in einen billigen Biologismus herunterziehen“. Und doch gibt unsere biologische Organisation dem kulturfähigen Menschen die Voraussetzung. „Hier meine ich die Vielfalt der Verhaltensmöglichkeiten, einschließlich der Bewegungsmöglichkeiten, um es dann kulturell aufzugreifen, zu verwandeln und es in etwas ganz Eigenständiges fortzuführen.“ Es sind eben die beiden Seiten Biologie und Kultur die etwas miteinander zu tun haben. In diesem Zusammenhang ist für Rosslenbroich noch ein weiterer Aspekt wichtig: „Der Zusammenhang zwischen Gehirn und Körper ist viel stärker als wir uns das immer denken. Das Gehirn steuert nicht einfach den Körper, sondern der Zusammenhang schafft unsere Verhaltensmöglichkeiten. Wenn das hochgradig Flexible zusammengenommen wird, dann kommt dem Spiel eine große Bedeutung zu, insbesondere dem Zusammenhang von Gehirn, Spiel und Körper. (…) Wenn wir Gedankenspiele planerisch machen wollen, dann brauchen wir diese Voraussetzungen, die dann nicht eben nur intellektuell eingeübt werden können, sondern auch durch Bewegung eingeübt werden müssen. Im übertragenen Sinne sagen wir deshalb ja auch, dass wir etwas ‚durchspielen’ müssen. Wenn wir dieses Thema für die Entwicklung ernst nehmen, dann muss man sagen, dass durch Bewegungsspiele auch geistige Kreativität entsteht.“

Auch vertritt der Biologe  die Ansicht, dass die Autonomie im Laufe der Evolution bei allen Organismen stetig zunimmt. Wie auch viele andere Wissenschaftler lehnt er rein deterministische Erklärungsversuche ab: “Schon lange war mein Verdacht, dass Gene viel flexibler gehandhabt werden können. Auch der neurologische Determinismus, wir seien durch die molekularen Vorgänge in unseren Neuronen determiniert, ist interpretiert und stimmt nicht. (…) Es wird auch ein Determinismus aus der Evolution konstruiert, wir seien angepasst an die Situation der Eiszeit. Aus welchem Grund? Die Evolution ist seitdem weitergegangen. Wir sind kulturfähige Menschen, weshalb sollen wir auf etwas Rückwärtiges begrenzt werden? Die ganzen Determinismen können am Autonomie-Begriff aufgelöst werden”, erklärte er. Den Zusammenhang zwischen Autonomie und Anpassung sieht er folgendermaßen: “Autonomie bedeutet hier, dass Organismen immer mehr Selbstständigkeit entwickeln können und sich immer besser selbst regulieren. Entwicklung ist also gewissermaßen ein Dialog zwischen Organismus und Umgebung und ein Wechselspiel zwischen Autonomie und passiver Anpassung. Jeder Organismus bildet dadurch einen unterschiedlichen Grad der Autonomie aus. An flexiblen und intelligenten Organismen lässt sich in der Regel eine ausgeprägtere Autonomie feststellen, da sie in einem stärkeren Austausch mit ihrer Umwelt stehen. Dadurch entwickeln sie eine viel intensivere Sinneswahrnehmung.” Uns  fällt es nicht schwer Parallelen zwischen den Aussagen  des Biologen und dem künstlerischen Gestaltungsprozess zu erkennen,  denn es sind  exakt diese intensivere Sinneswahrnehmungen, die in (spielerischen) Gestaltungsprozessen den Unterschied machen.

Zwar würde Rosslenbroich seine Erkenntnisse nie unter wissenschaftlichen Maßstäben auf den Organisationskontext ausweiten. Parallelen sieht er allerdings schon: Strenge Hierarchien und Machtspiele kennt er als klassische Unterdrückungsinstrumente von Autonomie in wissenschaftlichen Organisationsstrukturen. In seiner Zeit als Forscher in den Vereinigten Staaten hat er die Zusammenarbeit in wissenschaftlichen Einrichtungen ganz anders, als „Miteinander auf dem gleichen Level erlebt, während hier in Deutschland stärker noch eine Hierarchie existiert, die manches blockieren kann.“ Ein guter Weg auch für die Wirtschaft könnte so aussehen: „Ich stelle mir jetzt lauter Personen in einer Firma vor, die eine Autonomiefähigkeit haben. Die jetzt mit ihrer ganz persönlichen Autonomie dastehen, aber auch in das Firmengeschehen und die jeweiligen Ziele eingebunden werden. Es drängt sich die Frage auf, ob die Mitarbeiter in der Lage sind, ihr gewisses Maß an Autonomie zu leben oder ob sie sich den Vorgaben der Firma ganz anpassen müssen. Man kann auch nicht nur ausschließlich autonom sein. Wenn das geschieht, würde jeder machen, was er will, und das funktioniert ebenso wenig. Anpassung ist auch ein Stück weit nötig. Genau das sehen wir auch in der Biologie. Leben funktioniert nur zwischen Autonomie und Anpassung. Es kommt auf die Balance an. Leben darf nur eine relative Autonomie haben. Kann eine Firma nun die relative Autonomie ihrer Mitarbeiter als Potential nutzen oder erwartet sie die vollständige Anpassung? Da gibt es natürlich große individuelle Unterschiede, aber sicher wäre es zumeist sinnvoll, wenn sich die verschiedenen Autonomien ein Stück weit relativ ausleben können. Ein gewisser Respekt vor der Autonomie des anderen gehört dann auch dazu.  Die Psychologie weiß heute gut, dass Menschen unter einer allzu starken Fremdbestimmung leiden und krank werden können. Ich vermute, dass das sogar noch zunehmen wird, da die Menschen immer mehr an persönlicher Autonomie entwickeln. Damit wird die moderne Berufswelt in Zukunft umgehen müssen, aber nicht als Last, sondern als Potential.“ Was Rosslenbroich also für den Organismus sagen kann und für das Individuum vermutet, könnte demnach auch für ganze Gruppen gelten: Je komplexer Herausforderungen sind, je dynamischer sich ein Umfeld entwickelt, desto mehr Autonomie ist erstrebenswert. Ohne Handlungsspielraum dagegen gerät der Einzelne und die ganze Organisation unter Druck. “Wenn ich mir eine Firma vorstelle, die sich von einem Geschäftsjahr zum nächsten nur an seinen steigenden Umsatzzahlen erfreut und dabei kein spielerisches Verhältnis zu diesen Zahlen hat, bemerkt man womöglich nicht, dass es nicht immer so weitergehen kann.In der Biologie sehen wir, dass ständiges Wachstum zu einem Tumor führt. Wenn man also auf Umsatzzahlen starrt, verliert man den Blick für das Nachfolgende. Entwickelt man ein spielerisches Verhältnis und kann loslassen, es aus einem höheren Blickwinkel betrachten, könnte man vielleicht sogar langfristig erfolgreicher sein. Einem Biologen kommt es sehr merkwürdig vor, wenn von ständigem Wachstum die Rede ist und das gilt ebenso für unsere gesamte Ökonomie. Das würde ich mal gerne von einem Ökonomen erklärt bekommen, warum unsere gesamte Wirtschaft ständig auf Wachstum ausgelegt ist. Ständiges Wachstum führt zu einem Tumor, zu einer Kollision. Und wir steuern längst auf eine Kollision zu, wenn man etwa die ökologische Katastrophe ansieht, die derzeit läuft und akut ist. Klimaveränderung und Umweltverschmutzung sollten in die Rechnung einbezogen werden, sonst läuft es auf eine Kollision heraus. Zu dem Wachstum ein spielerisches Verhältnis zu bekommen und etwas anderes für denkbar zu halten, wäre doch ein Konzept.“

Lesen Sie das vollständige Interview hier.

Interview: Dirk Dobièy
Blog-Beitrag: Adina Asbeck
Bildquelle: Bernd Rosslenbroich

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Wie Unternehmen eine kreative Haltung entwickeln könnenStephanie Barnes

Wie Unternehmen eine kreative Haltung entwickeln können

Auszug aus dem Buch Knowledge Management Matters”, Kapitel Innovation von Age of Artists Mitglied Stephanie Barnes. Aus dem englischen Original von Katja Stenzel.

Eine kreative Denkweise beinhaltet Dinge, die wir von Menschen wie da Vinci oder Van Gogh lernen können, genauso wie durch die Praxis unzähliger anderer Künstler. All diese Aspekte wurden durch Age of Artists, einem Beratungsunternehmen, Bildungsträger und Forschungsinstitut mit Sitz in Deutschland, zusammengetragen und in ein Gesamtbild überführt.

Dieses Rahmenwerk, das an anderer Stelle in diesem Abschnitt abgebildet ist, funktioniert von außen zur Mitte hin und verwendet künstlerische Praktiken und Haltungen, um herkömmliche Handlungsmuster durch künstlerischen Herangehensweisen zu ersetzen. Im Modell erscheint die unternehmerische Situation auf der linken Seite, während die künstlerischen Praktiken und Haltungen auf der rechten Seite stehen. Veränderungsunterstützende Aktivitäten wie Führung, Beratung, Ausbildung und Zusammenarbeit verbinden die beiden Seiten und erlauben mit künstlerischen Herangehensweisen auf die Herausforderungen zu reagieren.

Der Umgang mit einer Marktveränderung oder einer anderen Situation die komplex ist, sich schnell verändert, ungewiss oder volatil ist, werden alle berücksichtigt. Die traditionelle Reaktion in diesen Situationen könnte sein, im Falle von Komplexität zu versuchen, Dinge zu vereinfachen; sie im Falle von Dynamik zu verlangsamen; sie kontrollieren zu wollen, wenn sie ungewiss sind; oder im Falle von Volatilität ausnahmsweise mit der Krise umzugehen. Indem wir jedoch künstlerische Praktiken und Haltungen in einem transformativen Ansatz verwenden, können wir unsere Unternehmen zu einer alternativen Reaktion bewegen, die ein möglicherweise ausgewogeneres und wirksameres Ergebnis ermöglicht. Wir begegnen den Herausforderungen mit Vielfalt anstelle von Einfachheit; Sinnhaftigkeit statt Entschleunigung; Autonomie anstatt Kontrolle; und Beweglichkeit anstatt Resistenz.

Age of Artists Framework. Version 2017

Bei der Annäherung an eine kreative Denkweise und der Anwendung künstlerischer Praktiken auf eine unternehmerische Situation beginnen wir mit einem Impuls, einer Idee, der Identifizierung des Geschäftsproblems oder der Vorahnung einer Möglichkeit, und dann entscheiden wir situativ, mit welchem Ansatz wir beginnen wollen: Wahrnehmen, reflektieren, spielerisch gestalten oder aufführen. Wir können mit jeder der Aktivitäten beginnen und uns durch die anderen bewegen, als Teil des Vorgangs, bei der Reaktion auf das was uns begegnet um beispielsweise bei der Lösung des Problems anzukommen.

Wenn es darum geht, zu einer Lösung kommen, ist besonders hilfreich, wenn wir künstlerische Haltungen wie die Neugier (Annahmen in Frage zu stellen, immer wieder nach dem Warum fragen), unsere Leidenschaft für das, woran wir arbeiten, Vertrauen darauf, dass es eine Lösung gibt, und eine ausreichende Widerstandsfähigkeit um wieder auf die Beine zu kommen, wenn wir Fehler oder Rückschläge erfahren, annehmen. Es ist die sich durch diese Aktivitäten entwickelnde Beharrlichkeit, die der Schlüssel zum Erfolg ist.

In dieser Veränderungsphase können Wissensmanagement-Aktivitäten wie Peer Assists oder Communities of Practice, um zwei zu nennen, helfen. Auch das kritische Denken, das dem Wissensmanagement zugrunde liegt, ist hier wichtig. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit, Fragen zu stellen, Annahmen in Frage zu stellen und die Dinge anders zu betrachten, ist einer der Gründe, warum es wirklich hilfreich sein kann, Menschen von außerhalb einzubeziehen. Und es ist einer der Gründe, warum Artist in Residence Programme erfolgreich waren. Künstler betrachten die Dinge anders, sie haben andere Hintergründe und andere Erwartungen als die meisten Menschen, die typischerweise in unseren Unternehmen eingestellt werden. Xerox hat sechs Jahre lang ein Artist in Residence Programm durchgeführt (fünf Jahre länger als geplant), aufgrund des Erfolges der Zusammenarbeit von Künstlern und Wissenschaftlern in ihren Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen und der aus dieser Zusammenarbeit resultierenden Innovationen.  

Age of Artists arbeitet mit Organisationen zusammen, um Lösungen zu ermöglichen, die mit dem bestehenden Denken nicht erreichbar sind. Zum Beispiel wollte ein Leiter eines Beschaffungswesens, mit der sie arbeiteten, die Ursachen für fehlende Effizienz und die Chancen durch die Verbesserung der Prozesse verstehen, um harmonische Arbeitsabläufe für die Mitarbeiter im Beschaffungswesen zu erreichen. Age of Artists nutzten ihr Framework um vor Ort ethnographische Feldforschung zu betreiben. Die Recherche ergab fünf Schlüsselprobleme welche die Produktivität und die Zufriedenheit der Mitarbeiter, sowohl innerhalb des Beschaffungsteams als auch an anderen Stellen im Unternehmen, beeinträchtigten. Anschließend arbeitete Age of Artists eng mit dem Führungsteam zusammen, um Bewusstsein für die täglichen Herausforderungen zu schaffen, die den Geschäftsfortschritt behinderten, und dies wiederum führte zu 35 umsetzbaren Empfehlungen für das Unternehmen.

Ein anderes Beispiel für ein abgeschlossenes Projekt, bei dem die besonderen Fähigkeiten von Künstlern auf eine unternehmerische Herausforderung angewendet wurden, ist der Fall einer Abteilung, die für interne Abläufe  und damit verbundene Software-Anwendungen zuständig ist. Das Unternehmen hatte bereits ein Team von Designern, war jedoch durch die geringe Aufnahmebereitschaft für Nutzerzentrierung und gestalterische Ideen stark gefordert. Es war schwierig für die internen Gestalter die Entscheider und Stakeholder dazu zu bringen, die zentrale Bedeutung guter Nutzererfahrungen zu verstehen und zu unterstützen. Es wurde eine ethnographische Pilotstudie durchgeführt, die signifikante, versteckte Probleme aufdeckte, die durch das traditionelle Anforderungsmanagement nicht erfasst wurden. Die Ergebnisse führten dazu, dass die Erforschung der Nutzerbedürfnisse als Kompetenzfeld in den verschiedenen Abteilungen des Unternehmens eingeführt wurde. Anhand von Beispielen und schnellen Ergebnissen konnten alle Mitglieder des Unternehmens den Wert der Berücksichtigung der Nutzerbedürfnisse und die positiven Auswirkungen auf die Bewältigung komplexer Aufgaben erkennen. Das Team entwickelte und führte einen integrativen Ansatz ein, bei dem unterschiedliche Kompetenzen aus den Bereichen Wirtschaft, Technologie, Design und Forschung zusammengeführt wurden, um letztendlich erfolgreicher zusammenzuarbeiten.

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